Umgang mit Betroffenen sexueller Gewalt in Ermittlungs- und Strafverfahren

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hört seit dem Jahr 2016 Betroffene sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend an. Darüber hinaus haben Betroffene die Möglichkeit, schriftliche Berichte an die Kommission zu senden. In ihrem Bilanzbericht aus dem Jahr 2019 (abrufbar unter www.aufarbeitungskommission.de/infothek/publikationen) hat die Kommission als eines der Themen ihrer ersten Laufzeit den Umgang mit Betroffenen in verschiedenen sozialen  und behördlichen Kontexten benannt. In einem eigenen Kapitel, das sich mit Problemen für Betroffene in der Strafjustiz beschäftigt, wird dargelegt, dass Betroffene den persönlichen Umgang mit ihnen in Ermittlungs- und Strafverfahren häufig als unsensibel empfinden. Manche von ihnen haben betont, dass ihnen ein angemessener Umgang geholfen hätte oder hat, das Verfahren unabhängig von dessen Ausgang positiv zu verarbeiten. Ein unsensibles oder uninformiertes Auftreten von Verfahrensbeteiligten führt dagegen zu äußerst negativen Empfindungen bis hin zu erneuten Traumatisierungen. Gleichzeitig findet die Berücksichtigung von Bedürfnissen Betroffener aber ihre Grenzen in den unantastbaren rechtsstaatlichen Prinzipien, beispielsweise der für jeden Angeklagten oder jede Angeklagte bis zu seiner beziehungsweise ihrer rechtskräftigen Verurteilung geltenden Unschuldsvermutung. Hauptziel eines Strafverfahren ist, die individuelle Schuld des Täters oder der Täterin festzustellen.
In dem Workshop soll deshalb in einer offenen Diskussion herausgearbeitet werden, wie ein aus juristischer und psychologischer Sicht angemessener Umgang mit Betroffenen in Ermittlungs- und Strafverfahren aussehen und wie dieser in der Praxis etabliert werden kann.