Aufnahmen von Aussagen in der Therapie: Ein Ausweg aus dem traumatherapeutischen Dilemma?

Viele Therapeut*innen sind wohlvertraut mit dem traumatherapeutischen Dilemma, in dem sich Patient*innen befinden, solange das traumatisierende Ereignis Gegenstand laufender juristischer Verfahren ist oder solcher künftiger Verfahren werden könnte. Sobald eine Traumatherapie begonnen wurde, kann die Aussage als Zeuge oder Zeugin nicht mehr durch die Aussageanalyse bekräftigt werden, da nicht mehr ausgeschlossen werden kann, dass die Aussage durch suggestive oder verzerrende Einflüsse verfälscht wurde. Das Dilemma zwischen Gesundheit und Glaubhaftigkeit wird häufig dadurch verschärft, dass mangels anderweitiger Beweise ohne die gutachterlich überprüfte Aussage von Patient*innen Angeklagte freigesprochen werden. Zwar wird sich dieses Problem nicht vollends lösen lassen, möglicherweise aber jedenfalls für einige Patient*innen mildern. In diesem Vortrag soll ein aus juristischer Sicht entwickelter Vorschlag vorgestellt und diskutiert werden, und zwar die Anfertigung von Aussagesurrogaten durch Patient*innen im Rahmen der Therapie, ggf. unter Anleitung von Therapeut*innen.