Traumajournalismus

„Seit dem Loveparade-Unglück habe ich immer einen schwarzen Blazer im Kofferraum, wenn ich zu Live-Einsätzen fahre“, erklärte eine junge Fernsehjournalistin bei einem Seminar zum Thema „Trauma und Journalismus“. Sie will nie wieder in die Situation kommen wie 2010, als sie im bunten Sonnenblumen-T-Shirt plötzlich live im Fernsehen über eine Massenpanik mit vielen Toten berichten musste. Einfach, weil sie – eigentlich als Party-Reporterin für WDR Eins Live im Einsatz – mittendrin war, als die Katastrophe passierte. Und die Kameras auch.
Schulungen für Medienschaffende, wie sie über Tod, Katastrophen und menschliches Leid berichten sollen, sind selten. Dabei haben sie nicht nur in Kriegsgebieten, sondern besonders auch im Lokaljournalismus, quasi jeden Tag mit Suiziden, Unfällen, sexualisierter Gewalt und anderen schlimmen Themen zu tun.
Claudia Fischer beschäftigt sich als Medienpädagogin, Lokal- und Fachreporterin mit diesem Thema seit ca. 20 Jahren und richtet ihren Blick auf „die Medien“, die Macherinnen und Macher, natürlich auf die Menschen, über die berichtet wird, aber vor allem auch auf das Publikum.