Programm 2022

Das vollständige Tagungsprogramm wird Ende 2021 veröffentlicht. Änderungen sind vorbehalten.

Donnerstag 17 Feb 2022

9:00 - 12:30 Preconference-Workshop

Brainwash – Die unterschätzte Gefahr von dauerhafter Nutzung von Computerspielen – Vom Computerspiel zur Spielsucht

Lutz Besser

Aktiv durchgeführte Gewalt-Computerspiele wie Ego-Shooter und ähnliches und ihr Beitrag zur Gefahr, gewalttätig in der Realität zu agieren – vom Spieler zum Täter.
Frei verfügbare Pornographie und Pornospiele – Gefahr für eine gesunde Sexualentwicklung und Enthemmung?
Entsprechend der Erkenntnisse zur Neuroplastizität des Gehirns sind es die Nutzungsbedingungen des Gehirns besonders bei Kindern und Jugendlichen, die dort feste Verknüpfungen, also Strukturen entwickeln, die unser Denken, Fühlen und Handeln mitbestimmen.
Wie können wir Kinder und Jugendliche vor einem unkontrollierten Medien-, Spiele-, Pornokonsum schützen? Oder schauen wir solch einer „psychischen Umweltvergiftung“ tatenlos zu?
In dem Workshop sollen anhand anschaulicher Beispiele mit Szenen aus Computerspielen die Gefahren der Verharmlosung deutlich gemacht werden.

Do 9:00 - 12:30

Therapiekonzept bei DIS nach organisierter Ritueller Gewalt

Claudia Maria Fliß

Vorgestellt wird ein Therapiekonzept mit verschiedenen Bausteinen, die in dieser, aber auch in einer veränderten Reihenfolge Bestandteil einer erfolgreichen Traumatherapie mit Betroffenen von organisierter Ritueller Gewalt sein können. Die vorgeschlagenen Bausteine enthalten eine Diagnostik inklusive unspezifischer Symptome, die Klärung des Therapieauftrags, den Kontaktaufbau mit einem aus vielen Persönlichkeiten bestehenden Gegenübers sowie wesentliche Elemente eines Therapieprozesses. Methodisch wird „ins System der Persönlichkeiten hinein“ gearbeitet, bisherige Erkenntnisse aus dem Therapieprozess werden fortlaufend gesammelt und geprüft, die Frage nach fortbestehendem Täterkontakt begleitet den therapeutischen Prozess regelmäßig wiederkehrend. Typische Programme sowie eine Methode zur Deprogrammierung werden vorgestellt. Ein therapeutischer Umgang mit der üblicherweise grundlegend erfolgten und durchgängig wirkenden sexuellen Konditionierung im Zusammenhang mit Ritualen und mit dem Menschenhandel wird vorgeschlagen. Die kaum bis gar nicht bewussten Effekte der lebenslang erfolgten Mind Control werden herausgearbeitet. Eine zunehmende Abwendung von den meistens noch lange andauernden Täterkontakten wird erarbeitet und ein Plan für den endgültigen Ausstieg erstellt. Ein tiefgreifender Trauerprozess und eine Neuorientierung bilden das Ende des therapeutischen Prozesses. Das Ziel ist: endlich frei und lebend! 

Do 9:00 - 12:30

Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren

Ferdinand Haenel

Im Bereich des Asyl- und Aufenthaltsrechtes geht es bei der klinischen psychotraumatologischen Kausalitätsbegutachtung zum einen um die Frage, ob psychische oder physische Gesundheitsstörungen vorliegen, welche die Angaben der Antragsteller oder Kläger zu ihrem Asylbegehren auf Grundlage von Art. 16a GG oder § 60.1 AufenthG stützen, zum anderen ob vorliegende psychische Gesundheitsstörungen sich im Kontext einer Rückführung tiefgreifend und lebensbedrohlich verschlechtern können, so dass ein dauerhaftes Abschiebehindernis nach § 60.7 oder § 25 AufenthG besteht (Haenel u. Wenk-Ansohn 2004). Auf dem Wege zur Beantwortung dieser Fragen sieht sich der psychiatrisch-psychotherapeutisch ausgebildete Gutachter vier besonderen Hindernissen gegenüber, die er überwinden muss, wenn er an seiner Aufgabe nicht scheitern will. Es sind:

  1. Traumaspezifische Besonderheiten bei der Exploration
  2. Der fehlende Nachweis des Traumas
  3. Die mangelnde Objektivierbarkeit der Symptomatik
  4. Sprachlich und kulturelle Erschwernisse

In diesem Workshop soll auf diese vier Hindernisse näher eingegangen werden und Möglichkeiten ihrer Überwindung aufgezeigt werden.

Literatur: Haenel F: Gutachten und klinische Expertisen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren. In: Mayer T, Morina N, Schick M, Schnyder U. (Hrsg): Trauma - Flucht - Asyl: Ein interdisziplinäres Handbuch für Beratung, Betreuung und Behandlung- Bern (2019).- S.229-246

Do 9:00 - 12:30

Yoga und PTBS

Dietmar Mitzinger, Heidemarie Haller

In diesem Workshop wird Pranayama – eine Atemtechnik des Yoga – als Zusatzintervention in der Therapie von posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und komplexer PTBS vorgestellt. In der klinischen Studie YOGAPTBS, die an der Universität Duisburg-Essen in der Zeit von November 2017 bis April 2021 durchgeführt worden ist, hat sich gezeigt, dass Pranayama als sinnvolles, sicheres und effektives Mittel in der Therapie von PTBS eingesetzt werden kann. Inhalt des Workshops sind die theoretischen Modelle, die die Wirksamkeit von Pranayama – anhand von netzwerkbasierten biologischen Modellen – aufzeigen, sowie praktische Übungseinheiten, in denen die Pranayamatechniken demonstriert und geübt werden. Hierdurch soll der stabilisierende Effekt auf die Aufmerksamkeit erklärt und erfahren werden. Das Ziel dieses Workshops ist es, einen ersten Einblick in Pranayama und dessen Vermittlung an PatientenInnen mit PTBS zu erlangen.  Zusätzlich soll ein Raum dafür angeboten werden, welche Herausforderungen sich bei der Durchführung von Pranayama insbesondere bei PatientenInnen mit komplexer PDBS ergeben können und wie man diese durch Zusatzübungen auffangen kann. Dadurch soll die Breite des körpertherapeutischen Ansatzes des Yoga dargestellt und gleichzeitig ein Verständnis dafür erzeugt werden, welche Rollen Muskeln Faszien und Organe in der Anwendung von Pranayama und in der Ausprägung von PTBS spielen können und wie darauf eingegangen werden kann.

Do 9:00 - 12:30
40 max

Embodied virtual reality, approaches and rapid prototyping tools for clinical use

Marte Roel

The perception of our own bodies has been shown to be intimately linked to our identity and behavior. Over the past decades a large amount of literature has shown that multisensory manipulations may alter how we perceive our bodies and thus our cognition at large. In this workshop we explore state of the art methods for manipulating embodiment through immersive technologies and multisensory stimulation. Focusing on the potential of these tools on mental health, an overview of the scientific literature and applications in complex settings will be presented. Participants will get to experience some of these methods and to cocreate an immersive experience of their own.

Do 9:00 - 12:30
12 max

Somatisches Narrativ SN – Somatisch Narrative Therapie SNT, Therapeutisch additives „Plug in“ und generell kompatible Methode

Walter Schurig

Jegliches Erleben hat eine psychische und eine somatische Dimension, das Psychische ist nicht isoliert. Die topographische Verteilung von Körperempfindungen korrespondiert zu elementaren Emotionen sogar eindeutig.
Belastendes, traumatisches Erleben ist nun aber im Psychischen wie im Körperlichen inkohärent, verzerrt, z.B. dissoziiert, schwer bearbeitbar. Somatisches Erleben ist dabei oft sehr präsent. Im therapeutischen Prozess ist es zunehmend kohärent mit Erlebnissen und Erfahrungen verknüpfbar, als Somatisches Narrativ beschreibbar.
Mit asymmetrischen oder lokalen Körperempfindungen stellen sich oft Fragmente belastender Erinnerungen, mit symmetrischen Empfindungen Gefühlszustände, mit raumbezogenem Empfinden bedeutsame Situationen dar.
Bedeutsame somatische Erlebensinhalte führen sich rekursiv auf prägnante elementare Emotionen zurück, mit eindeutigen körperlichen Entsprechungen. Es erfolgt eine emotionale Integration von psychischen, somatischen und situativen Erlebensinhalten, mit antidissoziativem Effekt. Oft wird unmittelbare spontane Evidenz mit nachhaltiger Entlastung erreicht, als Maß für die Effektivität der Intervention und der Methode einsetzbar.
Zuvor disparate Erlebensinhalte verknüpfen sich so im therapeutischen Prozess zu einem kohärenten Narrativ der eigenen Geschichte. Damit einhergehende Reflexion in einer „Metaisierung des Erlebens“ läßt eine Klärung, ein Verständnis der eigenen Geschichte, eine Distanzierung und Neuorientierung erreichbar werden.
Im Workshop werden nach einer Einführung in die Thematik Fallbeispiele und praxisnahe Übungen zur Verdeutlichung von systematischer Einsatzfähigkeit und Kompatibilität des methodischen Ansatzes angeboten.

Do 9:00 - 12:30

Eine neue Perspektive für Komplextraumatisierte Patienten – Die frühe Erfassung von Komplextrauma mit minimierter Traumaexposition

A. Janner Steffan

Komplextraumatisierte Patienten leben mit einer «Sisyphus-Dynamik», einem immer wieder zu erneuernden Bemühen, ihren instabilen Zustand zu stabilisieren. Sie erleben das Heute subjektiv, häufig auch objektiv, in einer mobilen bzw. immobilen Verteidigungsposition ohne Zugang zu der Regulation durch den Ventralen Vagus (Porges, 2014).  Die heutigen Symptome und adaptiven, häufig selbstschädigenden Strategien stellen die optimale Sicherheit dar, die ihr Organismus aufbauen konnte, um zu überleben. In diesem Kontext ist Therapie eine Herausforderung, sowohl Chance wie Bedrohung, da die neue geheilte Struktur noch in der Zukunft liegt, während die Auseinandersetzung mit dem «Wer ich bin» schon beginnt. Häufig führt dies zu einer Anfangsverschlechterung mit einer Verstärkung defensiven Verhaltens, z.B. Erhöhung von Dissoziation, Zwangs- und Suchtverhalten oder Verstärkung der Erstarrung oder Hypererregung.
Dieser Workshop stellt einen neuen strukturierten Ansatz vor, um den Traumatisierungsgrad und die Charakteristika der Überlebensstruktur schnell zu bestimmen und zu kartografieren, in Anlehnung an die «Karte des Selbst»» (Siegel, 1999), verbunden mit einer deutlich verminderten Destabilisierung des Patienten. Im Vordergrund steht die kontinuierliche Einstimmung auf den psychobiologischen Zustand des Patienten, um das Trauma-gebremste System in Fluss zu kitzeln. Durch diesen Ansatz wird die initiale Verschlechterung bzw. Aktivierung vermieden und der Patient erlebt ein verstärktes Gefühl von Sicherheit (Porges, 2021).
Dieser Ansatz wird seit mehreren Jahren mit Erfolg u.a. in Lifespan Integration® Therapie angewandt (Janner Steffan, 2016, 2017 u. 2019)
Inhalt des Workshops:

  • Eine theoretische Einführung über die Integrationsdynamik komplexer lebender Systeme
  • Praktische Tools: eine Assessment Karte mit Bestimmung der wichtigsten Überlebensstrukturen
  • Praktische Fallbeispiele
  • Anwendung in Kleingruppen
  • Video-Beispiele

Do 9:00 - 12:30
30 max

Mobbing: Ist ein Reset auf Körperebene möglich?

Karin Wild

Mobbing verändert das Verhältnis zum Körper. Psychosomatische Symptome wie Schlaflosigkeit und Gelenk- oder Muskelschmerzen treten häufig schon kurz nach dem Einsetzen der feindlichen Attacken auf (Leymann, 2013). Das Nervensystem reagiert und aktiviert Kampf- und Fluchtimpulse, was zu heftigen Reaktionen der Betroffenen führt (Porges, 2017). Der Pionier der Mobbingforschung, Heinz Leymann, betont, dass die Verteidigung umso primitiver wird, je grösser die Angstentwicklung ausfällt. Es beginnt ein Teufelskreis, weil das Verteidigungsverhalten der Betroffenen nicht selten als Bestätigung dafür gesehen wird, dass sie sozial unangenehm, ja untragbar sind.
Im Workshop befassen wir uns damit, wie die aktivierten Kampf- und Fluchtimpulse erkannt und entlastet werden können. Basierend auf den Erkenntnissen von Porges werden Möglichkeiten vermittelt, wie sich das von ihm benannte «Social Engagement System» und damit verträglichere Reaktionen aktivieren lassen. Die Resonanz-Theorie von Rosa und der Umgang mit Verbitterungsstörungen nach Linden bilden weitere Grundpfeiler für die Wahl körperorientierter Interventionen (Rosa, 2016, Linden, 2017).
Ziel ist es, Teilnehmenden des Workshops Wege aufzuzeigen, wie kognitive Endlosschleifen nach Mobbingerfahrungen wirkungsvoll durch Ressourcenaktivierung auf Körperebene unterbrochen werden können. Ein weiteres Augenmerk gilt Anleitungen für  Betroffene für Erfahrungen von Kontrolle und Selbstwirksamkeit.

Literaturhinweise:
Leymann H. (2013). Mobbing, Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann. Reinbeck bei Hamburg: Rowolt
Porges St. W. (2017). Die Polyvagal-Theorie und die Suche nach Sicherheit. Traumabehandlung, soziales Engagement und Bindung. Lichtenau: G.P. Probst
Rosa H. (2016). Resonanz, eine Soziologie der Weltbeziehungen. Berlin. Suhrkamp
Linden M. (2017). Verbitterung und Posttraumatische Verbitterungsstörung. Göttingen, Hogrefe

Do 9:00 - 12:30
25 max

10:00 - 17:00 Preconference-Workshop

Paper in a day – Workshop der Zeitschrift Trauma und Gewalt für Nachwuchswissenschaftler:innen

Ingo Schäfer, Heide Glaesmer

In frühen Phasen ihrer wissenschaftlichen Karriere ist es für angehende Forscher:innen besonders wichtig, Routine im Schreiben von wissenschaftlichen Artikeln zu entwickeln. Auch das Knüpfen von Kontakten und der Austausch mit Kolleg:innen spielt eine wichtige Rolle. In diesem von der Zeitschrift „Trauma und Gewalt“ ausgerichteten Workshop haben Nachwuchswissenschaftler:innen die Gelegenheit an einem konkreten Manuskript mitzuwirken, das später in „Trauma und Gewalt“ publiziert werden soll, sowie Kontakte zu knüpfen und zu erweitern und eine Basis für weitere Kooperationen zu legen. Im Workshop soll unter Betreuung der beiden Leiter*innen ein Manuskript vorbereitet und geschrieben werden. Der Schreibprozess wird über den Workshop hinaus begleitet. Zielgruppe sind Kolleg:innen, die sich in frühen Phasen ihrer Karriere befinden (z.B. Masterand:innen und Doktorand:innen). Von den Teilnehmenden wird Folgendes erwartet:

  • Teilnahme am Vorbereitungstreffen (online) am 27.01.2021
  • Vollständige Anwesenheit am Workshop
  • Teilnahme an zwei Videokonferenzen in den folgenden Monaten
  • Erledigung von spezifischen Aufgaben nach jeder der drei Konferenzen
  • Beteiligung an der Finalisierung des entstehenden Manuskripts.

Do 10:00 - 17:00

14:00 - 17:30 Preconference-Workshop

Brainwash – Die unterschätzte Gefahr von dauerhafter Nutzung von Computerspielen – Vom Computerspiel zur Spielsucht

Lutz Besser

Aktiv durchgeführte Gewalt-Computerspiele wie Ego-Shooter und ähnliches und ihr Beitrag zur Gefahr, gewalttätig in der Realität zu agieren – vom Spieler zum Täter.
Frei verfügbare Pornographie und Pornospiele – Gefahr für eine gesunde Sexualentwicklung und Enthemmung?
Entsprechend der Erkenntnisse zur Neuroplastizität des Gehirns sind es die Nutzungsbedingungen des Gehirns besonders bei Kindern und Jugendlichen, die dort feste Verknüpfungen, also Strukturen entwickeln, die unser Denken, Fühlen und Handeln mitbestimmen.
Wie können wir Kinder und Jugendliche vor einem unkontrollierten Medien-, Spiele-, Pornokonsum schützen? Oder schauen wir solch einer „psychischen Umweltvergiftung“ tatenlos zu?
In dem Workshop sollen anhand anschaulicher Beispiele mit Szenen aus Computerspielen die Gefahren der Verharmlosung deutlich gemacht werden.

Do 14:00 - 17:30

Therapiekonzept bei DIS nach organisierter Ritueller Gewalt

Claudia Maria Fliß

Vorgestellt wird ein Therapiekonzept mit verschiedenen Bausteinen, die in dieser, aber auch in einer veränderten Reihenfolge Bestandteil einer erfolgreichen Traumatherapie mit Betroffenen von organisierter Ritueller Gewalt sein können. Die vorgeschlagenen Bausteine enthalten eine Diagnostik inklusive unspezifischer Symptome, die Klärung des Therapieauftrags, den Kontaktaufbau mit einem aus vielen Persönlichkeiten bestehenden Gegenübers sowie wesentliche Elemente eines Therapieprozesses. Methodisch wird „ins System der Persönlichkeiten hinein“ gearbeitet, bisherige Erkenntnisse aus dem Therapieprozess werden fortlaufend gesammelt und geprüft, die Frage nach fortbestehendem Täterkontakt begleitet den therapeutischen Prozess regelmäßig wiederkehrend. Typische Programme sowie eine Methode zur Deprogrammierung werden vorgestellt. Ein therapeutischer Umgang mit der üblicherweise grundlegend erfolgten und durchgängig wirkenden sexuellen Konditionierung im Zusammenhang mit Ritualen und mit dem Menschenhandel wird vorgeschlagen. Die kaum bis gar nicht bewussten Effekte der lebenslang erfolgten Mind Control werden herausgearbeitet. Eine zunehmende Abwendung von den meistens noch lange andauernden Täterkontakten wird erarbeitet und ein Plan für den endgültigen Ausstieg erstellt. Ein tiefgreifender Trauerprozess und eine Neuorientierung bilden das Ende des therapeutischen Prozesses. Das Ziel ist: endlich frei und lebend! 

Do 14:00 - 17:30

Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen im Sozialen Entschädigungsrecht und der gesetzlichen Unfallversicherung, Gutachtenstandards der DeGPT

Doris Denis, Ferdinand Haenel

Häufig ist fest­zustellen, dass klinische GutachterInnen in der Kausalitäts­beurteilung psychisch reaktiver Traumafolgen oft zu extrem gegensätzlichen Ergebnissen gelangen. Neben symptombedingter Behinderung der Exploration und besonderen Beziehungsaspekten, die die Objektivität der gutach­terlichen Beurteilung beein­trächtigen können, sind es eine Vielzahl möglicher komor­bider Störungen, die psychisch reaktive Traumafolgen überlagern und so zu Fehlbeurteilungen bei der Begutach­tung führen kön­nen. Eine schädigungsunabhängige psychische Vor­erkrankung macht die Beurteilung vollends schwierig.
Aus diesem Grund hat die DeGPT vor 6 Jahren ein zertifiziertes Fortbildungscurriculum verabschiedet, welches psychologische und ärztliche FachkollegInnen in die Lage versetzen soll, klinische Gutachten zu psychisch reaktiven Traumafolgen und ihrer Genese in sozialrechtlichen Verfahren fachkompetent zu erstellen. Die von der DeGPT entwickelten Standards für die schriftliche Gutachtenerstellung sollen dabei eine ausreichend begründete und für Dritte nachvollziehbare Beurteilung garantieren, die in der Praxis nicht immer gegeben ist.
In diesem Workshop sollen die speziellen Probleme anhand von Fallbeispielen (gerne auch mitgebrachte Fälle von TeilnehmerInnen)  illustriert, die Standards der DeGPT  zur Gutachtenerstellung der DeGPT erläutert und auf Besonderheiten bei der Exploration und Beurteilung hingewiesen werden.

 http://www.degpt.de/curricula/degpt-curriculum-begutachtung.html

 Literatur:
Haenel F, Denis D, Freyberger H. Die Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen im Rahmen des OEG. In: Seidler GH, Freyberger HJ, Maercker A. Handbuch der Psychotraumatologie. Stuttgart 2011; S. 735-745
G. Flatten, E. Ebbinghaus (Hrsg): Themenhefte „Begutachtungspraxis psychisch reaktiver Traumafolgen“, Trauma & Gewalt, 8.Jg., Heft 2, Mai 2014 sowie 10.Jg., Heft 2, Mai 2016
D. Denis, F. Haenel (Hrsg) Trauma & Gewalt - Themenheft „Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen - Soziales Entschädigungsrecht, gesetzliche Unfallversicherung, Aufenthaltsrecht“, 15.Jg., Heft 2, Mai 2021.

Do 14:00 - 17:30

Behandlung der Komplexen PTBS: Das Therapieprogramm „STAIR/NT“

Ingo Schäfer, Janine Borowski

Personen, die in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch oder Misshandlung erlebt haben, leiden oft nicht nur unter Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), sondern auch unter weiteren Beeinträchtigungen, etwa einer eingeschränkten Affektregulation, Schwierigkeiten in interpersonellen Beziehungen und einem negativen Selbstbild. Gerade diese zusätzlichen Symptombereiche, die inzwischen als typische Beschwerden im Rahmen einer „Komplexen PTBS“ interpretiert werden, tragen maßgeblich zu den Alltagseinschränkungen Betroffener bei. Bei „STAIR/Narrative Therapie“ handelt es sich um einen Behandlungsansatz, der genau diese Bereiche systematisch berücksichtigt und zusätzlich zur Reduktion der PTBS-Symptomatik eine flexible Behandlung von Defiziten der Emotionsregulation und der interpersonellen Kompetenzen bei traumatisierten Personen erlaubt. Das Therapieprogramm integriert in einem phasenorientierten Vorgehen wirksame Interventionen zur Behandlung komplexer Traumafolgestörungen und wird in den neuen Behandlungsleitlinien als eines der Standardverfahren empfohlen. Im Workshop wird ein Überblick über das Therapieprogramm gegeben sowie auf seinen Einsatz im Einzel- wie im Gruppensetting eingegangen. Neben der theoretischen Einführung wird es eine Reihe von praktischen Übungen geben.

 

Literatur:

Cloitre M, Cohen LR, Koenen KC (2013) Sexueller Missbrauch und Misshandlung in der Kindheit. Ein Therapieprogramm zur Behandlung komplexer Traumafolgen. Göttingen: Hogrefe-Verlag.

Do 14:00 - 17:30
40 max

Mobbing: Ist ein Reset auf Körperebene möglich?

Karin Wild

Mobbing verändert das Verhältnis zum Körper. Psychosomatische Symptome wie Schlaflosigkeit und Gelenk- oder Muskelschmerzen treten häufig schon kurz nach dem Einsetzen der feindlichen Attacken auf (Leymann, 2013). Das Nervensystem reagiert und aktiviert Kampf- und Fluchtimpulse, was zu heftigen Reaktionen der Betroffenen führt (Porges, 2017). Der Pionier der Mobbingforschung, Heinz Leymann, betont, dass die Verteidigung umso primitiver wird, je grösser die Angstentwicklung ausfällt. Es beginnt ein Teufelskreis, weil das Verteidigungsverhalten der Betroffenen nicht selten als Bestätigung dafür gesehen wird, dass sie sozial unangenehm, ja untragbar sind.

Im Workshop befassen wir uns damit, wie die aktivierten Kampf- und Fluchtimpulse erkannt und entlastet werden können. Basierend auf den Erkenntnissen von Porges werden Möglichkeiten vermittelt, wie sich das von ihm benannte «Social Engagement System» und damit verträglichere Reaktionen aktivieren lassen. Die Resonanz-Theorie von Rosa und der Umgang mit Verbitterungsstörungen nach Linden bilden weitere Grundpfeiler für die Wahl körperorientierter Interventionen (Rosa, 2016, Linden, 2017).

Ziel ist es, Teilnehmenden des Workshops Wege aufzuzeigen, wie kognitive Endlosschleifen nach Mobbingerfahrungen wirkungsvoll durch Ressourcenaktivierung auf Körperebene unterbrochen werden können. Ein weiteres Augenmerk gilt Anleitungen für  Betroffene für Erfahrungen von Kontrolle und Selbstwirksamkeit.

Literaturhinweise:
Leymann H. (2013). Mobbing, Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann. Reinbeck bei Hamburg: Rowolt
Porges St. W. (2017). Die Polyvagal-Theorie und die Suche nach Sicherheit. Traumabehandlung, soziales Engagement und Bindung. Lichtenau: G.P. Probst
Rosa H. (2016). Resonanz, eine Soziologie der Weltbeziehungen. Berlin. Suhrkamp
Linden M. (2017). Verbitterung und Posttraumatische Verbitterungsstörung. Göttingen, Hogrefe

Do 14:00 - 17:30
25 max

Freitag 18 Feb 2022

9:00 - 10:30 Vorträge, Keynote Speaker

Stress und Belastungen bei Jugendlichen in der digitalen Welt

Daniel Süss

Jugendliche nutzen digitale Welten als erweiterte Handlungsräume, um Entwicklungsaufgaben zu bewältigen und ihren Alltag zu bereichern. Dabei gehen sie aber auch Risiken ein, welche zu Stress und Belastungen führen können. Soziale Netzwerke beispielsweise werden zur visuellen Biografiearbeit (Kramer, 2020) genutzt, d.h. neue Identitätsentwürfe werden erprobt. Sie führen aber auch zu selbstwertgefährdenden sozialen Vergleichen, unrealistischen Schönheitsidealen, Essstörungen und Verhaltenssucht. Influencer:innen prägen einseitige Genderrollenbilder, und Pornographie führt zu sexuellen Skripts, welche die Sozialisation der Jugendlichen ungünstig beeinflussen (Götz & Becker, 2019). Erotische Selbstinszenierungen in Selfies und TikTok-Videos können Ausgangspunkt für Cybermobbing und Sextortion werden. Gerade während der Corona-Pandemie hat die Nutzung digitaler Medien nochmals stark zugenommen und damit auch Erfahrungen von sexueller Belästigung online. Eine Erklärung dafür ist der Online Disinhibition Effect (Suler, 2004). Die Angst, etwas zu verpassen, wenn man nicht online ist, führt zu einem Druck zu permanenter Verfügbarkeit und zu Erschöpfung bei Jugendlichen. Schlafmangel wegen exzessiver Onlinezeiten kann vielfältige negative Folgen im Alltag der Jugendlichen nach sich ziehen. Sie entwickeln zwar selbst Strategien, um den Druck und dessen Folgen zu reduzieren, aber sie brauchen die Begleitung durch Peer Education und Erwachsene, um sich sicher in digitalen Welten zu bewegen und bei belastenden Erfahrungen rasch Hilfe zu erhalten. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, soziale Konstellationen und Situationen können belastende Medienerfahrungen und Gesundheitsrisiken begünstigen (Bernath et al., 2020). Präventive Ansätze verbinden Medienkompetenzförderung mit der Förderung von Charakterstärken und sozialen Kompetenzen.

Fr 9:00 - 10:30

Titel folgt

David Ebert

Abstract folgt

 

Fr 9:00 - 10:30

11:00 - 12:30 Symposien 1

Keine Workshops in dieser Sitzung.

14:30 - 16:00 Symposien 2

Keine Workshops in dieser Sitzung.

16:30 - 18:00 Vorträge, Keynote Speaker

Titel folgt

Isaac Galatzer-Levy

Abstract folgt

Fr 16:30 - 18:00

Titel folgt

Christine Knaevelsrud

Abstract folgt

Fr 16:30 - 18:00

18:00 - 19:30 DeGPT-Mitgliederversammlung

DeGPT-Mitgliederversammlung

15.00 Uhr
DeGPT-Mitgliederversammlung 

Fr 18:00 - 19:30

Samstag 19 Feb 2022

9:00 - 10:30 Vorträge, Keynote Speaker

Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung mit Imagery Rescripting

Regina Steil

Imagery Recripting ist eine traumafokussierte Psychotherapie der Posttraumatischen Belastungsstörung, die ohne formale Konfrontation mit den traumatischen Erinnerungen auskommt. Nach einer Psychoedukation über die PTBS und die Behandlungsmethode und einem optionalen Training der Patienten in der Bewältigung starker negativer Emotionen und der Reduktion von Dissoziation werden die Patienten gebeten, in Bezug auf belastende Traumaerinnerungen jeweils in der Vorstellung an den Punkt zu gehen, an dem sie wissen, dass das Schlimmste nun passieren wird. Die Patienten erhalten dann die Möglichkeit, das Geschehene so zu verändern, dass sich ein anderer, weniger belastender Ausgang ergibt und in der damaligen Situation vorhandene Bedürfnisse nach Sicherheit, Kontrolle, Trost und Schutz in der Vorstellung gestillt werden. Der Therapeut kann in der Vorstellung in die Szene eintreten um den Patienten zu schützen und die Täter zu konfrontieren, oder der erwachsene Patient kann sich selbst als Kind zur Hilfe kommen. Für Imagery Rescripting liegen seit kurzer Zeit exzellente empirische Befunde für die Wirksamkeit vor. Die Intervention wird idiosynkratisch an den jeweiligen Patienten angepasst und eignet sich daher sehr gut dafür, kulturelle oder sonstige Besonderheiten in der Behandlung zu berücksichtigen. Am Beispiel der Behandlung von Menschen, die vor Krieg, Bürgerkrieg und Verfolgung geflohen sind, wird die Vorgehensweise dargestellt, eine Überblick über Befunde zur Wirksamkeit wird gegeben. 

Sa 9:00 - 10:30

Titel folgt

Suzy Matthijssen

Abstract folgt

Sa 9:00 - 10:30

11:00 - 12:30 Symposien 3 / Workshops / Vorträge

Wenn auf einmal alles anders ist

Christina Kohli

Immer wieder sind Familien mit Herausforderungen und Unvorhergesehenem konfrontiert. Ihre Möglichkeiten darauf zu reagieren, haben einen grossen Einfluss auf die Lebensqualität der einzelnen Mitglieder. Traumatische Ereignisse beeinflussen die Interaktionen zwischen Eltern und Kindern in besonderem Masse. Diese können entwicklungsfördernd sein oder aber auch gegenteilige Auswirkungen haben.
Entsprechend wichtig ist es, dass die Eltern eng in die Behandlung miteinbezogen werden, nachdem das Kind ein traumatisches Ereignis erlebt hat. Ebenso soll unbedingt auch ihren in der Folge entstandenen Belastungen Beachtung geschenkt werden. Posttraumatische psychische Störungen bei den Eltern gelten als Risikofaktor für Traumafolgestörungen bei den Kindern (1). Bereits bei sehr jungen Kindern zeigt sich, wie wichtig es ist, die Eltern mit Wissen zu ihrer Unterstützung aber auch mit Hilfestellungen zum Umgang mit dem eigenen Stress zu versorgen (2).
Ebenso zentral ist bei schweren körperlichen Erkrankungen eines Elternteils die Beratung und ggf. therapeutische Begleitung auch der Kinder. So können negative Langzeitfolgen reduziert und die Familie im Umgang mit der Krankheit und deren Auswirkungen unterstützt werden.
Neben den Erläuterungen zu den oben genannten Themen, ausgehend vom klinischen Alltag der Referentin, wird auch auf Materialien und internetbasierte Unterstützung hingewiesen. Als besonders hilfreich hat sich in der Praxis die Webseite und gleichnamige Smartphone App KidTrauma (3) erwiesen, welche Forschende der Universität Zürich und des Kinderspitals Zürich unter der Leitung von Prof. Dr. M. Landolt entwickelt haben.

Quellen: (1) Spell, A. W., Kelley, M. L., Wang, J., Self-Brown, S., Davidson, K. L., Pellegrin, A., Palcic, J. L., Meyer, K., Paasch, V.  Baumeister, A. (2008). The moderating effects of maternal psychopathology on children's adjustment post-Hurricane Katrina. Journal of Clinical Child and Adolescent Psychology, 37, 553-63.
(2) Haag, A. C., Landolt, M. A., Kenardy, J. A., Schiestl, C. M., Kimble, R. M., De Young, A.C. (2020). Preventive intervention for trauma reactions in young injured children: results of a multi-site randomised controlled trial. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 61(9), 988-97.
(3) www.kidtrauma.com

Sa 11:00 - 12:30

Die neue ICD-11: Impulse für Diagnostik und Behandlung

Andreas Maercker

Am 1. Januar 2022 tritt offiziell die ICD-11 in Kraft und damit auch das neue Kapitel zu "Spezifischen belastungsbezogenen Störungen", zu denen die klassische und die komplexe PTBS, die Anhaltende Trauerstörung und die neuformulierte Anpassungsstörung gehört. In den deutschsprachigen Ländern wird 2022 allerdings noch nicht die Codierungspflicht mit dem ICD-11 eingeführt, sondern zu einem späteren Zeitpunkt. Als State-of-the-Art, insbesondere im Gutachtenbereich, sind die neuen Diagnosen allerdings jetzt schon aktuell.
Mein Überblicksvortrag widmet sich den neuen Entwicklungen in der Diagnostik, der Beschreibung der jeweiligen Pathoätiologien bzw. Störungsmodelle sowie der Impulse für die Behandlung und das klinische Management. In vielen europäischen Ländern arbeiteten Arbeitsgruppen intensiv in der Einführung der ICD-11 Diagnosen und ihrer Validitätsuntersuchungen. Dazu gibt es interessante Entwicklungen in anderen Weltregionen und bei Geflüchteten, z.B. zur Anhaltenden Trauerstörung.
Abschliessend gehe ich auf offene Probleme ein, wie die Unterschiede zum DSM-5-System und die Überlappungen der Diagnosen beispielsweise mit den dissoziativen Störungen und der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Sa 11:00 - 12:30

RECHARGE: ein psychologisches Kurzprogramm für Gesundheitsfachpersonen

Naser Morina

Gesundheitsfachpersonen stehen unter einer hohen Arbeitsbelastung. Damit können zusätzliche Stressoren wie Teamkonflikte, schwierige Behandlungssituationen, eine einseitige Work-Life-Balance oder familiäre Sorgen einhergehen. Auch die gegenwärtige SARS-CoV-2-Pandemie und die damit verbundenen Massnahmen stellen teilweise eine grosse Herausforderung dar. All dies kann sich negativ auf das Wohlbefinden, die Arbeitszufriedenheit und das Familienleben auswirken.
Im Rahmen des Workshops wird eine vom Universitätsspital Zürich und der Universität Zürich evaluierte Kurzintervention – RECHARGE – zur Bewältigung von Stress bei Gesundheitsfachpersonen, präsentiert. RECHARGE ist eine u.a. auf COVID-19 ausgerichtete, an Gesundheitsfachpersonen angepasste Stressintervention der WHO. Die Intervention ist ein evidenzbasiertes kurzes, flexibles, leicht skalierbares, vollständig online verfügbares psychologisches Programm, bestehend aus 4 Sitzungen à 60 Minuten. Das Ziel von RECHARGE ist das Erlernen effektiver Strategien des Stressmanagements, ein optimaler Umgang mit emotionalen und praktischen Herausforderungen im beruflichen und privaten Alltag und dadurch eine Steigerung der Resilienz.
Im Workshop werden erste Ergebnisse des durchgeführten RCT mit 160 Gesundheitsfachpersonen präsentiert. Die RECHARGE-Teilnehmer zeigen nach der Intervention zu allen Zeitpunkten signifikant weniger Symptome und können besser mit der Arbeitsbelastung umgehen. Anschliessend werden die psychologische Intervention RECHARGE und die einzelnen Strategien (Stressmanagement, Umgang mit Sorgen, sinnvolle Aktivitäten) beschrieben und deren praktische Anwendung mit den Teilnehmern geübt. 

Sa 11:00 - 12:30
20 max

Sichere Übergänge gestalten – aktuelle traumapädagogische Entwicklungen in verschiedenen psychosozialen Handlungsfeldern

Marc Schmid, Lucas Maissen, Manuela Gärtner, Petra Wallnöfer, Bettina Breymaier

Dieses Symposium berichtet in vier praxisnahen Vorträgen über die aktuelle Entwicklung in verschiedenen Anwendungsgebieten der Traumapädagogik. Das Spektrum reicht von der frühen Kindheit bis zu den Care Leavern. Die vier Vorträge verbindet über die Handlungsfelder hinweg eine traumasensible, partizipative Haltung, sowie eine Erweiterung des Verständnisses des sicheren Ortes, weil sich alle Projekte damit beschäftigen, wie man Übergänge in der professionellen Begleitung von traumatisierten Menschen sicher gestalten kann und ihnen ein Ankommen und Weitergehen ermöglichen kann.
Ein Konzept berichtet über die Entwicklung einer Testbatterie zur Verlaufsdokumentation in Kinderheimen von 0-8 Jahren (Gärtner & Wallnöfer ZH). Ziel dieser Testbatterie ist es, insbesondere die behördlichen Entscheidungen zu beschleunigen und zu objektivieren. Besonderer Wert wird auf transgenerationale Aspekte bezüglich des Zusammenhanges von traumatischen Erfahrungen und der Eltern-Kind Interaktion gelegt.  
In einem ersten Vortrag werden Mutter-Kind Interventionen einer kinder- und jugendpsychiatrischen/-psychotherapeutischen Liaison im Rahmen einer stationären Krisenintervention in einem Frauenhaus vorgestellt. Dieses Angebot zielt darauf, eine Spielgruppe mit Müttern und Kindern zu gestalten, um Resilienzfaktoren spezifisch zu fördern und über ein gemeinsames Kennenlernen niederschwellige kinder- und jugendpsychiatrische/-psychotherapeutische Abklärungsmöglichkeiten anzubieten. Zusätzlich findet eine traumapädagogische Supervision der sozialpädagogischen Fachkräfte im Frauenhaus statt.

Lucas Maissen stellt in einem Vortrag Überlegungen zur Anwendung von traumapädagogischen Konzepten in der stationären Krisenintervention vor. Besonderer Wert wird auf die akute Belastung der Jugendlichen und die Besonderheiten des Kurzzeitsettings gelegt.  Die Bedeutung von sicheren Übergängen - welche besondere Anforderungen an eine transparente, partizipative und sensible Haltung stellen.   

Marc Schmid stellt Ergebnisse aus der JAEL Längsschnittstudie vor, die einmal mehr belegen welche fatalen Auswirkungen Beziehungsabbrüche auf den weiteren Lebensweg und die psychische Gesundheit haben. Traumatische Erfahrungen und psychische Belastung sind gleichzeitig einer der Auslöser und die Folge von Abbrüchen, womit sich ein Teufelskreis schliesst.  

Manuela Gärtner (ZH),  Petra Wallnöfer, &  Marc Schmid: Traumapädagogische Abklärung und Verlaufsdokumentation in Frühbereichsheimen

Bettina Breymaier und Team: Resilience play: Resilienzförderung für Mütter und Kinder im Frauenhaus

Lucas Maissen und Team Sichere Orte auf Zeit – Traumapädagogik im Übergangssetting

Marc Schmid plus JAEL Team: Vicious Circles – Beziehungsabbrüche und psychische Belastung – Ergebnisse der JAEL Längsschnittstudie   

Sa 11:00 - 12:30

Einflussnahme des Dritten Raumes auf Beziehungs- und Prozessgestaltung in der Kunsttherapie

Judith Zink

Für die therapeutische Arbeit mit traumatisierten Menschen erweist sich der Einbezug des sogenannt dritten Raumes, welcher auf Bild- Werk und Imaginationsebene als Projektionsfläche für verschiedenste Aspekte dient, als besonders unterstützend. Der Einbezug dieses dritten Raumes entlastet die zwischenmenschliche Beziehung. Die kunsttherapeutische Arbeit im dritten Raum ermöglicht, mit Abgespaltenem in Kontakt zu kommen, Neues zu wagen und Selbstwirksamkeit zu erleben.
Die verschiedenen Qualitäten des Zugangs zu kreativen Ressourcen, Beziehungs- und Verhaltensweisen im dritten Raum werden mittels sechs herausgearbeiteten Typen charakterisiert und im Workshop dargestellt.  
Die Perfektionisten
Die Gruppe der Perfektionisten kompensiert ihr niedriges Selbstwertgefühl mit hohem Leistungsanspruch. Die auf Perfektion ausgerichteten Vorstellungen kommen auf verschiedenen Ebenen zum Ausdruck.
 Die Grenzenlosen/sich Verlierenden
In den Bildern der Grenzenlosen zeigen sich charakteristische Gestaltungs- und Ausdrucksweisen. Diese Menschen brauchen Präsenz und Kontrolle unterstützende Rahmen, - Struktur und Orientierung gebende Techniken.
Die Hyperaktiven
Die Angst vor Gefühlen und Leere erschweren den Hyperaktiven Vertiefung und Hingabe. Verschiedene gestalterische Interventionen ermöglichen den Betroffenen, Freude am künstlerischen Schaffen zu entwickeln.
Die Blockierten
Die Gruppe der Blockierten nehmen Gefühle und Emotionen reduziert wahr. Die Balance zwischen Förderung der Selbstakzeptanz und  Impulsieren von Schritten ins Vermeidungsland sind  zentral.
Die Autonomen
Die Überlebensstrategie der Autonomen ist Vermeidung von Abhängigkeit und Schwäche. Es zeigen sich Unverbindlichkeit, Misstrauen und ein starkes Autonomiebedürfnis.
Die Angepassten
Bei den Angepassten geht die Ausrichtung auf das Wohl der anderen auf Kosten des Selbstkontaktes, das Wahrnehmen eigener Grenzen und Willensimpulse.  Spannungen im Raum können zu Auslösern für Schuldgefühle, Anspannung und Dissoziation führen.

Literatur: Peter Sinapius, Annika Niemann: Das Dritte in Kunst und Therapie, Peter Lang Verlag, 2011
Luise Reddemann, Imagination als heilsame Kraft, Klett Verlag, sechste Auflage, 2002
Von Spreti, Martius, Förstl: Kunsttherapie bei psychischen Störungen, Urban und Fischer Verlag, zweite Auflage, 2012

Sa 11:00 - 12:30
15 max

13:15 - 14:00 Postersession

Poster

Poster 1
Gender differences in the relationships between risk and protective factors, stressors, and clinical symptoms during the COVID-19 pandemic in Germany: A network-analysis
Juliane Lüders

Poster 2
Umgang mit Belastungen während der COVID-19 Pandemie – Profile unterschiedlichen Copingverhaltens und Zusammenhänge zum Wohlbefinden
Laura Kenntemich, Leonie von Hülsen, Ingo Schäfer, Maria Böttche, Annett Lotzin

Poster 3
Psychosoziale offline und online Prädiktoren von Verläufen posttraumatischer Belastung bei Jugendlichen nach sexuellem Missbrauch und Kontrollgruppe
Ann-Christin Haag, George A. Bonanno, Shuquan Chen, Jennie G. Noll

Poster 4
Akzeptanz des videokonferenzbasierten SOLAR-Programms zur Verringerung subklinischer Belastung bei Traumaüberlebenden – Eine Pilotstudie während der COVID-19 Pandemie
Laura Kenntemich, Imke Hinrichsen, Winnie Lau, Meaghan O'Donnell, Annett Lotzin

Poster 5
MindRelief – eine App zur Verarbeitung belastender Ereignisse mittels IRRT-Techniken
Patricia Kulla, Jessica Grabow, Hannes Diemerling, Lisa Hochmann, Joachim Kruse

Poster 6
Digitale Vernetzung von Traumatherapeut*innen – "trauma.help" als Beitrag zu einer besseren Versorgung
Nicole Szesny-Mahlau, Dennis Diatel, Rima Eberle-Serijari, Patrick Fornaro, Eline Rimane, Johanna Unterhitzenberger, Lisa Unterhitzenberger, Nora Wunderlich

Poster 7
Effects of doxycycline on experimental trauma memory modification: A randomized placebo-controlled trial
Laura Meister, Alex Rosi-Andersen, Francesco Bavato, Andrei Manoliu, Michael Colla, Dominik Bach, Birgit Kleim

Poster 8
Berufliche Belastungen in der Pandemie – wie geht es Trauerbegleiter:innen in Zeiten von Covid-19?
Christina Hanauer, Berit Telaar, Rita Rosner, Bettina K. Doering

Poster 9
Negative inferences and expectations mediate effects of negative cognitions on PTSD symptoms: A prospective study of assault survivors
Linda Schaekel, Laura Meine, Birgit Kleim

Poster 10
Identifying distinct phenotypes of suicidal ideations in high-risk psychiatric in-patients: an ecological momentary assessment study
Stephanie Homan, Anna-Marie Bertram, Sofia Michel, Zachary Roman, Anja Ries, Prabhakaran Santhanam, Hanne Scheerer, Michael Colla, Stefan Vetter, Erich Seifritz, Isaac Galatzer-Levy, Tobias Kowatsch, Philipp Homan, Urte Scholz, Birgit Kleim

Sa 13:15 - 14:00

13:30 - 15:00 Symposien 4 / Workshops / Vorträge

Kurztherapie für PatientInnen nach Suizidversuch aus einer Traumaperspektive

Anja Gysin-Maillart

Nach einem Suizidversuch ist das Risiko für einen späteren Suizid um ein Vielfaches erhöht. Die Behandlung dieser Hochrisikogruppe ist schwierig. Das Attempted Suicide Short Intervention Program (ASSIP) ist eine Kurztherapie für Patienten nach Suizidversuch. Es vereint Aspekte der kognitiven Verhaltenstherapie, der Bindungs- und der Handlungstheorie. In einer 24-monatigen randomisierten kontrollierten Verlaufsstudie konnte gezeigt werden, dass ASSIP das Risiko für suizidale Handlungen um annähernd 80 %. Innerhalb 3-4 Sitzungen werden die Hintergründe der suizidalen Krise geklärt, wichtige individuelle Warnzeichen und ein persönlicher Krisenplan im Fall von Suizidgefahr erarbeitet. Dabei wird die therapeutische Beziehung, als wichtigster präventiver Faktor im Umgang mit dem suizidalen Patienten, aufgebaut und durch ein anhaltendes Briefangebot aufrechterhalten.

In diesem Workshop werden die wichtigsten theoretischen Konzepte von ASSIP aus einer Traumaperspektive vorgestellt. Weiter wird den Workshop-Teilnehmern einen Überblick über die einzelnen Elemente der ASSIP Kurztherapie anhand von kurzen Videobeispielen, Rollenspielen und Fallbeispielen, einschließlich Elementen der aktiven Beteiligung, vermittelt.

Sa 13:30 - 15:00

Development of (early) interventions to tackle intrusive memories and posttraumatic stress disorder following childbirth

Antje Horsch

Approximately one third of women perceive their childbirth as traumatic and some may as a consequence develop childbirth-related posttraumatic stress disorder (CB-PTSD). In community samples, CB-PTSD affects between 3–4 % of women after birth and around 16–19 % of women in high-risk groups, e.g., emergency cesarean section. Intrusive traumatic memories are repeated, involuntary and distressing sensory-perceptual fragments of a trauma memory. They are a core symptom of PTSD, as they drive other PTSD symptoms and prevent the normative decay of trauma memories. Targeting them may thus be an effective strategy to tackle PTSD symptoms. Evidence-based (early) interventions to reduce maternal intrusive traumatic memories to prevent the development of CB-PTSD, and thus the transfer of trauma-related consequences onto the future generation are lacking. Furthermore, currently available treatments for established CB-PTSD, such as exposure therapy, do not necessarily prevent the return of the trauma-linked fear response. Indeed, extinction is thought to produce a new memory trace inhibiting the original fear memory, which still exists and can thus resurface. This talk will describe some innovative theory-driven approaches assumed to directly target the original maladaptive memories, based on memory consolidation and reconsolidation processes. Results from several translational clinical studies from our lab testing a single-session behavioural intervention to reduce childbirth-related intrusive traumatic memories and in turn either prevent CB-PTSD symptoms or reduce established CB-PTSD symptoms will be shown. They represent potential first steps in the development of a brief, single-session, (early) intervention for CB-PTSD.

Sa 13:30 - 15:00

Wenn auf einmal alles anders ist

Christina Kohli

Immer wieder sind Familien mit Herausforderungen und Unvorhergesehenem konfrontiert. Ihre Möglichkeiten darauf zu reagieren, haben einen grossen Einfluss auf die Lebensqualität der einzelnen Mitglieder. Traumatische Ereignisse beeinflussen die Interaktionen zwischen Eltern und Kindern in besonderem Masse. Diese können entwicklungsfördernd sein oder aber auch gegenteilige Auswirkungen haben.
Entsprechend wichtig ist es, dass die Eltern eng in die Behandlung miteinbezogen werden, nachdem das Kind ein traumatisches Ereignis erlebt hat. Ebenso soll unbedingt auch ihren in der Folge entstandenen Belastungen Beachtung geschenkt werden. Posttraumatische psychische Störungen bei den Eltern gelten als Risikofaktor für Traumafolgestörungen bei den Kindern (1). Bereits bei sehr jungen Kindern zeigt sich, wie wichtig es ist, die Eltern mit Wissen zu ihrer Unterstützung aber auch mit Hilfestellungen zum Umgang mit dem eigenen Stress zu versorgen (2).
Ebenso zentral ist bei schweren körperlichen Erkrankungen eines Elternteils die Beratung und ggf. therapeutische Begleitung auch der Kinder. So können negative Langzeitfolgen reduziert und die Familie im Umgang mit der Krankheit und deren Auswirkungen unterstützt werden.
Neben den Erläuterungen zu den oben genannten Themen, ausgehend vom klinischen Alltag der Referentin, wird auch auf Materialien und internetbasierte Unterstützung hingewiesen. Als besonders hilfreich hat sich in der Praxis die Webseite und gleichnamige Smartphone App KidTrauma (3) erwiesen, welche Forschende der Universität Zürich und des Kinderspitals Zürich unter der Leitung von Prof. Dr. M. Landolt entwickelt haben.

Quellen: (1) Spell, A. W., Kelley, M. L., Wang, J., Self-Brown, S., Davidson, K. L., Pellegrin, A., Palcic, J. L., Meyer, K., Paasch, V.  Baumeister, A. (2008). The moderating effects of maternal psychopathology on children's adjustment post-Hurricane Katrina. Journal of Clinical Child and Adolescent Psychology, 37, 553-63.
(2) Haag, A. C., Landolt, M. A., Kenardy, J. A., Schiestl, C. M., Kimble, R. M., De Young, A.C. (2020). Preventive intervention for trauma reactions in young injured children: results of a multi-site randomised controlled trial. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 61(9), 988-97.
(3) www.kidtrauma.com

Sa 13:30 - 15:00

Einflussnahme des Dritten Raumes auf Beziehungs- und Prozessgestaltung in der Kunsttherapie

Judith Zink

Für die therapeutische Arbeit mit traumatisierten Menschen erweist sich der Einbezug des sogenannt dritten Raumes, welcher auf Bild- Werk und Imaginationsebene als Projektionsfläche für verschiedenste Aspekte dient, als besonders unterstützend. Der Einbezug dieses dritten Raumes entlastet die zwischenmenschliche Beziehung. Die kunsttherapeutische Arbeit im dritten Raum ermöglicht, mit Abgespaltenem in Kontakt zu kommen, Neues zu wagen und Selbstwirksamkeit zu erleben.
Die verschiedenen Qualitäten des Zugangs zu kreativen Ressourcen, Beziehungs- und Verhaltensweisen im dritten Raum werden mittels sechs herausgearbeiteten Typen charakterisiert und im Workshop dargestellt.  
Die Perfektionisten
Die Gruppe der Perfektionisten kompensiert ihr niedriges Selbstwertgefühl mit hohem Leistungsanspruch. Die auf Perfektion ausgerichteten Vorstellungen kommen auf verschiedenen Ebenen zum Ausdruck.
 Die Grenzenlosen/sich Verlierenden
In den Bildern der Grenzenlosen zeigen sich charakteristische Gestaltungs- und Ausdrucksweisen. Diese Menschen brauchen Präsenz und Kontrolle unterstützende Rahmen, - Struktur und Orientierung gebende Techniken.
Die Hyperaktiven
Die Angst vor Gefühlen und Leere erschweren den Hyperaktiven Vertiefung und Hingabe. Verschiedene gestalterische Interventionen ermöglichen den Betroffenen, Freude am künstlerischen Schaffen zu entwickeln.
Die Blockierten
Die Gruppe der Blockierten nehmen Gefühle und Emotionen reduziert wahr. Die Balance zwischen Förderung der Selbstakzeptanz und  Impulsieren von Schritten ins Vermeidungsland sind  zentral.
Die Autonomen
Die Überlebensstrategie der Autonomen ist Vermeidung von Abhängigkeit und Schwäche. Es zeigen sich Unverbindlichkeit, Misstrauen und ein starkes Autonomiebedürfnis.
Die Angepassten
Bei den Angepassten geht die Ausrichtung auf das Wohl der anderen auf Kosten des Selbstkontaktes, das Wahrnehmen eigener Grenzen und Willensimpulse.  Spannungen im Raum können zu Auslösern für Schuldgefühle, Anspannung und Dissoziation führen.

Literatur: Peter Sinapius, Annika Niemann: Das Dritte in Kunst und Therapie, Peter Lang Verlag, 2011
Luise Reddemann, Imagination als heilsame Kraft, Klett Verlag, sechste Auflage, 2002
Von Spreti, Martius, Förstl: Kunsttherapie bei psychischen Störungen, Urban und Fischer Verlag, zweite Auflage, 2012

Sa 13:30 - 15:00
15 max

16:00 - 16:45 Vorträge, Keynote Speaker

Titel folgt

Tanzeem Choudhury

Abstract folgt

Sa 16:00 - 16:45