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Öffentlicher Abendvortrag

Wir freuen uns, dass wir José Brunner, Professor Emeritus an der Buchmann Fakultät für Rechtswissenschaft und dem Cohn Institut für Wissenschaftsgeschichte und -philosophie der Universität Tel Aviv für den öffentlichen Vortrag gewinnen konnten.

Schrecken, Begehren, Schuld und Scham. Zur moralischen Grammatik der Traumadiagnostik

In der Geschichte der posttraumatischen Störungen konkurrieren zwei Sichtweisen:

  1. Mechanistische Perspektiven fokussieren den Einzelnen; sie erklären posttraumatische Störungen durch ein plötzliches Überfluten des psychischen Apparats mit amoralischen Emotionen wie Schrecken, Furcht und Angst.
  2. Dynamische Ansätze stellen posttraumatische Störungen ins Spannungsfeld zwischenmenschlicher Beziehungen und weiterer gesellschaftlicher Zusammenhänge. Aus dieser Sicht erscheinen sie als Resultat eines Überflusses an moralischen Emotionen, wie Schuld und Scham, Wut und Ekel, oder an Emotionen, die als unmoralisch gelten, wie hemmungsloses Begehren und Eifersucht.

Dieser Vortrag schenkt den verschiedenen Ausprägungen der moralischen Grammatik, die diese beiden grundlegenden Anschauungsweisen mit sich bringen, mehr Aufmerksamkeit als ihnen bisher gewährt wurde. Es wird nicht nur die diskursinterne Bedeutung ihrer unterschiedlichen Formen analysiert, sondern – vor allem – auch die Art in der sie Dialoge mit sozialen Diskursen herstellen, widerspiegeln oder beeinflussen. Hierbei wird die Rolle moralischer Grammatiken vor allem in  Bezug auf drei gesellschaftliche Elemente untersucht: a) traumatisierende Gewaltanwendungen, b) den gesellschaftlichen Status von traumatisierten Menschen und c) staatliche Entscheidungen hinsichtlich ihrer rechtlichen Ansprüche.   

Im Anschluss an den Vortrag laden wir Sie herzlich zu einem Get-together ein.