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Therapiekonzept bei DIS nach organisierter Ritueller Gewalt

Vorgestellt wird ein Therapiekonzept mit verschiedenen Bausteinen, die in dieser, aber auch in einer veränderten Reihenfolge Bestandteil einer erfolgreichen Traumatherapie mit Betroffenen von organisierter Ritueller Gewalt sein können. Die vorgeschlagenen Bausteine enthalten eine Diagnostik inklusive unspezifischer Symptome, die Klärung des Therapieauftrags, den Kontaktaufbau mit einem aus vielen Persönlichkeiten bestehenden Gegenübers sowie wesentliche Elemente eines Therapieprozesses. Methodisch wird „ins System der Persönlichkeiten hinein“ gearbeitet, bisherige Erkenntnisse aus dem Therapieprozess werden fortlaufend gesammelt und geprüft, die Frage nach fortbestehendem Täterkontakt begleitet den therapeutischen Prozess regelmäßig wiederkehrend. Typische Programme sowie eine Methode zur Deprogrammierung werden vorgestellt. Ein therapeutischer Umgang mit der üblicherweise grundlegend erfolgten und durchgängig wirkenden sexuellen Konditionierung im Zusammenhang mit Ritualen und mit dem Menschenhandel wird vorgeschlagen. Die kaum bis gar nicht bewussten Effekte der lebenslang erfolgten Mind Control werden herausgearbeitet. Eine zunehmende Abwendung von den meistens noch lange andauernden Täterkontakten wird erarbeitet und ein Plan für den endgültigen Ausstieg erstellt. Ein tiefgreifender Trauerprozess und eine Neuorientierung bilden das Ende des therapeutischen Prozesses. Das Ziel ist: endlich frei und lebend!

Gewalt macht kalt und krank. Gewalt, sexuelle Ausbeutung und Misshandlung in Familie, Gesellschaft und Medien – Wer sind die Täter?

In dem Vortrag soll es um Entstehungsbedingungen von Gewalttaten, Prävention, verschiedene Tätertypen und Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung von physische und sexuelle Gewalt ausübende Täter gehen.
Nicht erst durch die Aufdeckung der erschreckenden Fakten um Kinderpornographie in Münster und Lügde sowie die Missbrauchsskandale in katholischen und anderen Heimeinrichtungen, Vereinen und Institutionen, in denen Abhängigkeitsverhältnisse bestehen, ist bekannt, welches Ausmaß an sogenanntem sexuellen Missbrauch und hinter verschlossenen Türen an häuslicher Gewalt in Deutschland besteht. Die Macht der Täter entspringt der Angst und Scham der Opfer und dem Wegschauen des Umfeldes und nicht selten auch des Helfersystems. Vor diesem Hintergrund können oft jahrelang Misshandlungszyklen unbemerkt fortgesetzt werden. Die Gewöhnung der Gesellschaft an das ungeheure Ausmaß von Gewalt und sexueller Ausbeutung – vor allem von Frauen und Kindern – wird durch den frei verfügbaren medialen Konsum gefördert (Beispiel: Pornographie, Texte der Pornorapper usw.) sowie Deutschland als Bordell-El Dorado Europas. Der Workshop soll dazu beitragen, diese externe und interne Dynamik der Täter besser einschätzen und wahrnehmen zu können und entsprechende Haltungen und Maßnahmen in diesem komplizierten Feld unserer Gesellschaft zu entwickeln. Welche Form der Prävention und welche Konsequenzen müssen Gesellschaft, Politik und Justiz ergreifen, um diesen „Phänomenen“ ein Ende zu bereiten?

Das Somatische Narrativ – Eine ergänzende Methode zum Einbezug des Körpererlebens in den therapeutischen Prozess

Belastendes, traumatisches Erleben ist im Psychischen oft verzerrt, z.B. dissoziiert, und schwer bearbeitbar. Somatisches Erleben ist dagegen oft sehr präsent, mit Erlebnissen und Erfahrungen verknüpft, als Somatisches Narrativ beschreibbar.
Mit asymmetrischen oder lokalen Körperempfindungen stellen sich oft Fragmente belastender Erinnerungen, mit symmetrischen Empfindungen Gefühlszustände, mit raumbezogenem Empfinden bedeutsame Situationen dar. Zur Objektivierung sind auch die Körperkarten von Emotionen (Nummenmaa et al. 2013) äußerst hilfreich.
Mit der Erfahrung unmittelbarer Zusammenhänge erfolgt eine Integration von psychischen, somatischen und situativen Erlebnisinhalten, auch mit sofortigem antidissoziativem Effekt. Es wird oft unmittelbare spontane Evidenz mit „Sinnfindung“ und nachhaltiger Entlastung erreicht. Dies kann nach bisheriger Erfahrung als Effektivitätsmarker der aktuellen Intervention und auch der Methode angesehen werden. Bedeutsame Inhalte führen sich rekursiv auf prägnante elementare Emotionen zurück, mit eindeutigen körperlichen Entsprechungen. Mit Fortschreiten zu elementaren Zusammenhängen, einer „Konvergenz zur Elementarisierung“ werden therapeutisch nutzbare individuelle Grundsituationen oder -konflikte erreicht.
Erlebnisinhalte verknüpfen sich so zu einem zunehmend kohärenten Narrativ der eigenen Geschichte. Damit einhergehende Metaisierung des Erlebens im intersubjektiven dialogischen Reflexionsprozess läßt schließlich eine Klärung, ein Verständnis, „Einsicht“, eine Distanzierung und Neuorientierung erreichbar werden.
Im Workshop werden nach einer Einführung in die Thematik Fallbeispiele und praxisnahe Übungen zur Verdeutlichung von systematischer Einsatzfähigkeit und Kompatibilität des methodischen Ansatzes angeboten.

Teiletherapiemodelle und ihre Nutzung in einer multimethodalen Traumatherapie –Ein klinisch praktischer Workshop

Zunächst wird erklärt, was zur Entstehung von Teilemodellen der Persönlichkeit geführt hat, worin sich die wichtigsten dieser Modelle unterscheiden, und welche Prinzipien sie auch gemeinsam haben. Im Mittelpunkt steht das Ego State Konzept, welches sich aus psychodynamischen Ansätzen, hypnotherapeutischen Strategien, und dem Verständnis Trauma bezogener Dissoziation entwickelt hat.
Mit Fallbeispielen und Übungen wird gezeigt, wie sich Anteile charakterisieren lassen, wie die innere Kommunikation erweitert wird, und wie daraus ein Transfer in den Alltag entsteht, damit integrative Schritte ermöglicht werden. Daraus entwickelt sich ein prototypisches Vorgehen für einzelne Therapieschritte, wie auch für den Therapieplan insgesamt. Damit ergeben sich auch spezifische Verbindungen mit Schritten der Traumakonfrontation, aber auch der Übergang zu neuen Bewältigungsmöglichkeiten psychosozialer Konflikte.
Wie bei allen komplexen Therapieansätzen muss dabei reflektiert werden, welche Interventionen riskant sind, Therapien oft hemmen, wie Blockierungen aber auch aufgelöst werden können.
Teilemodelle der Psyche erscheinen spielerisch einfach zu handhaben. Die klinische Praxis zeigt jedoch, dass gerade das Einfache oft so schwer zu machen ist. Ziel des Workshops ist es, die therapeutische Kommunikation mit verschiedenen Mitteln aufzubauen und die therapeutische Beziehung neu zu beleben.

Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren

Im Jahre 2003 gab die Bundesärztekammer „Standards zur Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren“ zusammen mit einer entsprechenden gleichnamigen zertifizierten curriculären Fortbildung heraus, welche nun auch von der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie übernommen worden ist.
Im Bereich des Asyl- und Aufenthaltsrechtes geht es bei der klinischen psychotraumatologischen Kausalitätsbegutachtung zum einen um die Frage, ob psychische oder physische Gesundheitsstörungen vorliegen, welche die Angaben der Antragsteller oder Kläger zu ihrem Asylbegehren auf Grundlage von Art. 16a GG oder § 60.1 AufenthG stützen, zum anderen ob vorliegende psychische Gesundheitsstörungen sich im Kontext einer Rückführung tiefgreifend und lebensbedrohlich verschlechtern können, so dass ein dauerhaftes Abschiebehindernis nach § 60.7 oder § 25 AufenthG besteht (Haenel u. Wenk-Ansohn 2004). Auf dem Wege zur Beantwortung dieser Fragen sieht sich der psychiatrisch-psychotherapeutisch ausgebildete Gutachter vier besonderen Hindernissen gegenüber, die er überwinden muss, wenn er an seiner Aufgabe nicht scheitern will. Es sind:

  1. Traumaspezifische Besonderheiten bei der Exploration
  2. Der fehlende Nachweis des Traumas
  3. Die mangelnde Objektivierbarkeit der Symptomatik
  4. Sprachlich und kulturelle Erschwernisse

In diesem Workshop soll auf diese vier Hindernisse näher eingegangen werden und Möglichkeiten ihrer Überwindung aufgezeigt werden.

Literatur: Haenel F: Gutachten und klinische Expertisen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren. In: Mayer T, Morina N, Schick M, Schnyder U. (Hrsg): Trauma – Flucht – Asyl: Ein interdisziplinäres Handbuch für Beratung, Betreuung und Behandlung- Bern (2019).- S.229-246

Umgang mit Betroffenen sexueller Gewalt in Ermittlungs- und Strafverfahren

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hört seit dem Jahr 2016 Betroffene sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend an. Darüber hinaus haben Betroffene die Möglichkeit, schriftliche Berichte an die Kommission zu senden. In ihrem Bilanzbericht aus dem Jahr 2019 (abrufbar unter www.aufarbeitungskommission.de/infothek/publikationen) hat die Kommission als eines der Themen ihrer ersten Laufzeit den Umgang mit Betroffenen in verschiedenen sozialen  und behördlichen Kontexten benannt. In einem eigenen Kapitel, das sich mit Problemen für Betroffene in der Strafjustiz beschäftigt, wird dargelegt, dass Betroffene den persönlichen Umgang mit ihnen in Ermittlungs- und Strafverfahren häufig als unsensibel empfinden. Manche von ihnen haben betont, dass ihnen ein angemessener Umgang geholfen hätte oder hat, das Verfahren unabhängig von dessen Ausgang positiv zu verarbeiten. Ein unsensibles oder uninformiertes Auftreten von Verfahrensbeteiligten führt dagegen zu äußerst negativen Empfindungen bis hin zu erneuten Traumatisierungen. Gleichzeitig findet die Berücksichtigung von Bedürfnissen Betroffener aber ihre Grenzen in den unantastbaren rechtsstaatlichen Prinzipien, beispielsweise der für jeden Angeklagten oder jede Angeklagte bis zu seiner beziehungsweise ihrer rechtskräftigen Verurteilung geltenden Unschuldsvermutung. Hauptziel eines Strafverfahren ist, die individuelle Schuld des Täters oder der Täterin festzustellen.
In dem Workshop soll deshalb in einer offenen Diskussion herausgearbeitet werden, wie ein aus juristischer und psychologischer Sicht angemessener Umgang mit Betroffenen in Ermittlungs- und Strafverfahren aussehen und wie dieser in der Praxis etabliert werden kann.