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Kultur- und kontextsensible Therapie bei traumatisierten Geflüchteten

Häufig wird die Therapie bei traumatisierten Geflüchteten als schwierig und komplex beschrieben. Therapeut*innen haben immer wieder den Eindruck, dass die Wertesysteme sowie die Vorstellungen von Krankheit und Heilung so weit auseinanderliegen, dass Therapie oft nicht als das passende Instrumentarium erscheint. In diesem Vortrag werden kontextgeprägte Menschenbilder und subjektive Krankheitskonzepte als mögliche Ursachen für wiederkehrende Missverständnisse beschrieben und eine kultur- und kontextsensible Haltung vorgestellt.

Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen im Sozialen Entschädigungsrecht und der gesetzlichen Unfallversicherung – Problemdarstellung aus medizinischer und rechtlicher Sicht

Häufig ist fest­zustellen, dass klinische GutachterInnen in der Kausalitäts­beurteilung psychisch reaktiver Traumafolgen oft zu extrem gegensätzlichen Ergebnissen gelangen. In der Vergangenheit erfolgten deshalb von medizinischer und rechtlicher Seite Maßnahmen, um die Gutachtenerstellung zu verbessern.
Die DeGPT hat ein zertifiziertes Fortbildungscurriculum verabschiedet, welches psychologische und ärztliche FachkollegInnen in die Lage versetzen soll, klinische Gutachten zu psychisch reaktiven Traumafolgen und ihrer Genese in sozialrechtlichen Verfahren fachkompetent zu erstellen. Die von der DeGPT entwickelten Standards für die schriftliche Gutachtenerstellung sollen dabei eine ausreichend begründete und für Dritte nachvollziehbare Beurteilung garantieren, die in der Praxis nicht immer gegeben ist.
Bei der Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen sind rechtliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundessozialgerichts insbesondere für die notwendige Objektivierung psychischer Störungen und für die differenzierte Kausalitätsbeurteilung. Rechtliche Anforderungen bestehen zudem für die Formulierung von Unfallfolgen und für die Einschätzung der Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE).
Neben der Darstellung der oben genannten Anforderungen an psychotraumatologische Kausalitätsgutachten sollen in  diesem Workshop die speziellen Probleme aus medizinischer und aus rechtlicher Sicht anhand von Fallbeispielen (gerne auch mitgebrachte Fälle von TeilnehmerInnen)  illustriert und die Anforderungen eines Auftraggebers an ein professionelles Gutachten (Vollständigkeit, Nachvollziehbarkeit und Plausibilität) vermittelt werden.

http://www.degpt.de/curricula/degpt-curriculum-begutachtung.html

Literatur:
Haenel F, Denis D, Freyberger H. Die Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen im Rahmen des OEG. In: Seidler GH, Freyberger HJ, Maercker A. Handbuch der Psychotraumatologie. Stuttgart 2011; S. 735-745
Trauma & Gewalt – Themenheft „Begutachtungspraxis psychisch reaktiver Traumafolgen“, 8.Jg., Heft 2, Mai 2014
AWMF-Leitlinie „Begutachtung psychischer und psychosomatischer Störungen“, AWMF-Registernummer: 051-029 (Stand 12/2019)
Widder/Gaidzik (Hrsg.): Neurowissenschaftliche Begutachtung. 3. Auflage, Stuttgart: Thieme, 2018
Freytag H, Krahl G, Krahl C, Thomann K-D (Hrsg.): Psychotraumatologische Begutachtung. 1. Auflage, Frankfurt: Referenzverlag, 2011

Sexuelle Traumafolgen nach sexueller Gewalt – Symptomatik und Behandlung

Menschen, die in der Vergangenheit sexueller Gewalt ausgesetzt waren, erleben Sexualität oft als belastend. Körperliche Nähe und Berührungen lassen überwältigende Traumaerinnerungen lebendig werden. Angst, Ekel, Ohnmacht, Beschmutzungsgefühle und verstörende Gewaltfantasien drängen sich ins Bewusstsein. Oft ist der Sex schmerzhaft, der Beckenboden verkrampft, die Vagina verengt sich zum Schutz. Dazu kommen dissoziative Beschwerden: Der Körper spürt kaum etwas, der Geist schaltet ab. Nach dem Sex ist mitunter nicht klar, was dabei geschah.
Vielen Betroffenen fällt es außerdem schwer, ihre persönlichen Bedürfnisse zu erspüren und zu äußern. Beim Sex gehen sie weit über ihre Grenzen und machen Dinge mit, die ihnen nicht guttun. Während manche von ihnen körperlicher Intimität deshalb lieber aus dem Weg gehen, haben andere trotzdem immer wieder Sex, weil sie sich menschliche Zuwendung erhoffen und Einsamkeit oder Verlassenwerden vermeiden wollen. Auch Sexsucht ist manchmal ein Thema. Das digitale Zeitalter mit der breiten Verfügbarkeit von Online-Pornographie und -Dating birgt dabei zusätzliche Risiken für die Betroffenen.
Auch die Partner und Partnerinnen von Betroffen sind oft verunsichert, frustriert und verzweifelt. Beziehungskonflikte, Trennungen, Einsamkeit und seelische Krisen sind keine Seltenheit.
Der Workshop vermittelt Grundlagenwissen zu sexuellen Traumafolgestörungen, Know-how für die traumasensible Sexualanamnese und -diagnostik und stellt ein integratives Behandlungskonzept vor, das psycho-, sexual-, körper-, und paartherapeutische Elemente verbindet.

Digitale Selbstverteidigung in der Therapie-Praxis (Basiswissen)

Haben Sie Ihren Praxis-Computer gut abgesichert? Verschlüsseln Sie Ihre E-Mails an Krankenkassen oder an Klientinnen und Klienten? Wissen Sie, wie was ein Key-Logger ist und wie Sie ihn erkennen? Dürfen Handys mit in den Therapie-Raum?
Digitale Sicherheit ist auch für Therapie-Praxen und in Kliniken ein wichtiges – aber lästiges Thema. Insbesondere Menschen, die mit Gewaltopfern arbeiten, haben aber oft auch schon Erfahrungen mit gezielten Cyber-Angriffen von Täter-Seite machen müssen. Was ist technisch möglich und was nicht?
Dieser Workshop richtet sich ausdrücklich an Menschen, die wenig technisches Vorwissen haben und niedrigschwellig erfahren wollen, wie sie sich schützen können.

Bedürfnisse, Werte, Identität – Entwicklungsbedürfnisse als Thema der Psychotherapie

Die meisten Patienten haben nicht nur symptomorientierte Behandlungsbedürfnisse, sondern leiden darüber hinaus auch an den Folgen nicht ausreichender Erfahrungen von Bindung, Fürsorge, Wertschätzung und Förderung in der Kindheit. Brachliegende Entwicklungsbedürfnisse sind daher für die Therapieplanung von hoher Bedeutung. Zudem sind erfüllte oder nicht erfüllte Bedürfnisse prägend für die individuelle Orientierung an Werten sowie für das Erleben persönlicher Identität.
Im Workshop wird von praktischen Beispielen ausgehend, der therapeutische Umgang mit brachliegenden Entwicklungsbedürfnissen systematisch und therapieschulenübergreifend vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Konzeption und Umsetzung von Behandlungsmöglichkeiten zur gezielten Förderung defizitärer Entwicklungsbedürfnisse. Das Einbringen von eigenen Fällen und Fragen zur Behandlungspraxis ist ausdrücklich erwünscht.

Literatur:
Sack, Martin: Individualisierte Psychotherapie – Ein methodenübergreifendes Behandlungskonzept. Schattauer, Stuttgart 2019