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Das Somatische Narrativ – Eine ergänzende Methode zum Einbezug des Körpererlebens in den therapeutischen Prozess

Belastendes, traumatisches Erleben ist im Psychischen oft verzerrt, z.B. dissoziiert, und schwer bearbeitbar. Somatisches Erleben ist dagegen oft sehr präsent, mit Erlebnissen und Erfahrungen verknüpft, als Somatisches Narrativ beschreibbar.
Mit asymmetrischen oder lokalen Körperempfindungen stellen sich oft Fragmente belastender Erinnerungen, mit symmetrischen Empfindungen Gefühlszustände, mit raumbezogenem Empfinden bedeutsame Situationen dar. Zur Objektivierung sind auch die Körperkarten von Emotionen (Nummenmaa et al. 2013) äußerst hilfreich.
Mit der Erfahrung unmittelbarer Zusammenhänge erfolgt eine Integration von psychischen, somatischen und situativen Erlebnisinhalten, auch mit sofortigem antidissoziativem Effekt. Es wird oft unmittelbare spontane Evidenz mit „Sinnfindung“ und nachhaltiger Entlastung erreicht. Dies kann nach bisheriger Erfahrung als Effektivitätsmarker der aktuellen Intervention und auch der Methode angesehen werden. Bedeutsame Inhalte führen sich rekursiv auf prägnante elementare Emotionen zurück, mit eindeutigen körperlichen Entsprechungen. Mit Fortschreiten zu elementaren Zusammenhängen, einer „Konvergenz zur Elementarisierung“ werden therapeutisch nutzbare individuelle Grundsituationen oder -konflikte erreicht.
Erlebnisinhalte verknüpfen sich so zu einem zunehmend kohärenten Narrativ der eigenen Geschichte. Damit einhergehende Metaisierung des Erlebens im intersubjektiven dialogischen Reflexionsprozess läßt schließlich eine Klärung, ein Verständnis, „Einsicht“, eine Distanzierung und Neuorientierung erreichbar werden.
Im Workshop werden nach einer Einführung in die Thematik Fallbeispiele und praxisnahe Übungen zur Verdeutlichung von systematischer Einsatzfähigkeit und Kompatibilität des methodischen Ansatzes angeboten.

Teiletherapiemodelle und ihre Nutzung in einer multimethodalen Traumatherapie – Ein klinisch praktischer Workshop

Zunächst wird erklärt, was zur Entstehung von Teilemodellen der Persönlichkeit geführt hat, worin sich die wichtigsten dieser Modelle unterscheiden, und welche Prinzipien sie auch gemeinsam haben. Im Mittelpunkt steht das Ego State Konzept, welches sich aus psychodynamischen Ansätzen, hypnotherapeutischen Strategien, und dem Verständnis Trauma bezogener Dissoziation entwickelt hat.
Mit Fallbeispielen und Übungen wird gezeigt, wie sich Anteile charakterisieren lassen, wie die innere Kommunikation erweitert wird, und wie daraus ein Transfer in den Alltag entsteht, damit integrative Schritte ermöglicht werden. Daraus entwickelt sich ein prototypisches Vorgehen für einzelne Therapieschritte, wie auch für den Therapieplan insgesamt. Damit ergeben sich auch spezifische Verbindungen mit Schritten der Traumakonfrontation, aber auch der Übergang zu neuen Bewältigungsmöglichkeiten psychosozialer Konflikte.
Wie bei allen komplexen Therapieansätzen muss dabei reflektiert werden, welche Interventionen riskant sind, Therapien oft hemmen, wie Blockierungen aber auch aufgelöst werden können.
Teilemodelle der Psyche erscheinen spielerisch einfach zu handhaben. Die klinische Praxis zeigt jedoch, dass gerade das Einfache oft so schwer zu machen ist. Ziel des Workshops ist es, die therapeutische Kommunikation mit verschiedenen Mitteln aufzubauen und die therapeutische Beziehung neu zu beleben.

Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren

Im Jahre 2003 gab die Bundesärztekammer „Standards zur Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren“ zusammen mit einer entsprechenden gleichnamigen zertifizierten curriculären Fortbildung heraus, welche nun auch von der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie übernommen worden ist.
Im Bereich des Asyl- und Aufenthaltsrechtes geht es bei der klinischen psychotraumatologischen Kausalitätsbegutachtung zum einen um die Frage, ob psychische oder physische Gesundheitsstörungen vorliegen, welche die Angaben der Antragsteller oder Kläger zu ihrem Asylbegehren auf Grundlage von Art. 16a GG oder § 60.1 AufenthG stützen, zum anderen ob vorliegende psychische Gesundheitsstörungen sich im Kontext einer Rückführung tiefgreifend und lebensbedrohlich verschlechtern können, so dass ein dauerhaftes Abschiebehindernis nach § 60.7 oder § 25 AufenthG besteht (Haenel u. Wenk-Ansohn 2004). Auf dem Wege zur Beantwortung dieser Fragen sieht sich der psychiatrisch-psychotherapeutisch ausgebildete Gutachter vier besonderen Hindernissen gegenüber, die er überwinden muss, wenn er an seiner Aufgabe nicht scheitern will. Es sind:

  1. Traumaspezifische Besonderheiten bei der Exploration
  2. Der fehlende Nachweis des Traumas
  3. Die mangelnde Objektivierbarkeit der Symptomatik
  4. Sprachlich und kulturelle Erschwernisse

In diesem Workshop soll auf diese vier Hindernisse näher eingegangen werden und Möglichkeiten ihrer Überwindung aufgezeigt werden.

Literatur: Haenel F: Gutachten und klinische Expertisen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren. In: Mayer T, Morina N, Schick M, Schnyder U. (Hrsg): Trauma – Flucht – Asyl: Ein interdisziplinäres Handbuch für Beratung, Betreuung und Behandlung- Bern (2019).- S.229-246

Sexuelle Traumafolgen nach sexueller Gewalt – Symptomatik und Behandlung

Menschen, die in der Vergangenheit sexueller Gewalt ausgesetzt waren, erleben Sexualität oft als belastend. Körperliche Nähe und Berührungen lassen überwältigende Traumaerinnerungen lebendig werden. Angst, Ekel, Ohnmacht, Beschmutzungsgefühle und verstörende Gewaltfantasien drängen sich ins Bewusstsein. Oft ist der Sex schmerzhaft, der Beckenboden verkrampft, die Vagina verengt sich zum Schutz. Dazu kommen dissoziative Beschwerden: Der Körper spürt kaum etwas, der Geist schaltet ab. Nach dem Sex ist mitunter nicht klar, was dabei geschah.
Vielen Betroffenen fällt es außerdem schwer, ihre persönlichen Bedürfnisse zu erspüren und zu äußern. Beim Sex gehen sie weit über ihre Grenzen und machen Dinge mit, die ihnen nicht guttun. Während manche von ihnen körperlicher Intimität deshalb lieber aus dem Weg gehen, haben andere trotzdem immer wieder Sex, weil sie sich menschliche Zuwendung erhoffen und Einsamkeit oder Verlassenwerden vermeiden wollen. Auch Sexsucht ist manchmal ein Thema. Das digitale Zeitalter mit der breiten Verfügbarkeit von Online-Pornographie und -Dating birgt dabei zusätzliche Risiken für die Betroffenen.
Auch die Partner und Partnerinnen von Betroffen sind oft verunsichert, frustriert und verzweifelt. Beziehungskonflikte, Trennungen, Einsamkeit und seelische Krisen sind keine Seltenheit.
Der Workshop vermittelt Grundlagenwissen zu sexuellen Traumafolgestörungen, Know-how für die traumasensible Sexualanamnese und -diagnostik und stellt ein integratives Behandlungskonzept vor, das psycho-, sexual-, körper-, und paartherapeutische Elemente verbindet.

Digitale Selbstverteidigung in der Therapie-Praxis (Basiswissen)

Haben Sie Ihren Praxis-Computer gut abgesichert? Verschlüsseln Sie Ihre E-Mails an Krankenkassen oder an Klientinnen und Klienten? Wissen Sie, wie was ein Key-Logger ist und wie Sie ihn erkennen? Dürfen Handys mit in den Therapie-Raum?
Digitale Sicherheit ist auch für Therapie-Praxen und in Kliniken ein wichtiges – aber lästiges Thema. Insbesondere Menschen, die mit Gewaltopfern arbeiten, haben aber oft auch schon Erfahrungen mit gezielten Cyber-Angriffen von Täter-Seite machen müssen. Was ist technisch möglich und was nicht?
Dieser Workshop richtet sich ausdrücklich an Menschen, die wenig technisches Vorwissen haben und niedrigschwellig erfahren wollen, wie sie sich schützen können.