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Workshop: Einflussnahme des Dritten Raumes auf Beziehungs- und Prozessgestaltung in der Kunsttherapie

Für die therapeutische Arbeit mit traumatisierten Menschen erweist sich der Einbezug des sogenannt dritten Raumes, welcher auf Bild- Werk und Imaginationsebene als Projektionsfläche für verschiedenste Aspekte dient, als besonders unterstützend. Der Einbezug dieses dritten Raumes entlastet die zwischenmenschliche Beziehung. Die kunsttherapeutische Arbeit im dritten Raum ermöglicht, mit Abgespaltenem in Kontakt zu kommen, Neues zu wagen und Selbstwirksamkeit zu erleben.
Es wurde versucht, die verschiedenen Qualitäten des Zugangs zu kreativen Ressourcen, Beziehungs- und Verhaltensweisen im dritten Raum in sechs herausgearbeitete „Gestaltungscharakteren“ einzuteilen. Das Ziel ist, Orientierungshilfe für kunsttherapeutische Prozesse und konkrete Einblicke in der praktischen Umsetzung zu geben.
Die Perfektionisten
Die Gruppe der Perfektionisten kompensiert ihr niedriges Selbstwertgefühl mit hohem Leistungsanspruch. Die auf Perfektion ausgerichteten Vorstellungen kommen auf verschiedenen Ebenen zum Ausdruck.
Die Grenzenlosen/sich Verlierenden
In den Bildern der Grenzenlosen zeigen sich charakteristische Gestaltungs- und Ausdrucksweisen. Diese Menschen brauchen Präsenz und Kontrolle unterstützenden Rahmen, sowie Struktur und Orientierung gebende gestalterische Techniken.
Die Hyperaktiven
Die Angst vor Gefühlen und Leere erschweren den Hyperaktiven Vertiefung und Hingabe. Verschiedene gestalterische Interventionen ermöglichen den Betroffenen, Freude am künstlerischen Schaffen zu entwickeln.
Die Blockierten
Die Gruppe der Blockierten hat wenig Zugang zu Emotionen und Bedürfnissen. Die Balance zwischen Förderung der Selbstakzeptanz und dem Initiieren von Schritten ins Vermeidungsland sind hier zentral.
Die Autonomen
Die Überlebensstrategie der Autonomen ist Vermeidung von Abhängigkeit und Schwäche. Es zeigen sich Unverbindlichkeit, Misstrauen und ein starkes Unabhängigkeitsstreben.
Die Angepassten
Bei dieser Gruppe ist die Ausrichtung auf das Wohl der anderen auf Kosten des Selbstkontaktes, das Wahrnehmen eigener Grenzen und Willensimpulse. Spannungen im Raum können zu Auslösern für Schuldgefühle, Anspannung und Dissoziation führen.

Literatur
Peter Sinapius, Annika Niemann: Das Dritte in Kunst und Therapie, Peter Lang Verlag, 2011
Luise Reddemann, Imagination als heilsame Kraft, Klett Verlag, sechste Auflage, 2002
Von Spreti, Martius, Förstl: Kunsttherapie bei psychischen Störungen, Urban und Fischer Verlag, zweite Auflage, 2012

Workshop: RECHARGE: ein psychologisches Kurzprogramm für Gesundheitsfachpersonen

Gesundheitsfachpersonen stehen unter einer hohen Arbeitsbelastung. Damit können zusätzliche Stressoren wie Teamkonflikte, schwierige Behandlungssituationen, eine einseitige Work-Life-Balance oder familiäre Sorgen einhergehen. Auch die gegenwärtige SARS-CoV-2-Pandemie und die damit verbundenen Massnahmen stellen teilweise eine grosse Herausforderung dar. All dies kann sich negativ auf das Wohlbefinden, die Arbeitszufriedenheit und das Familienleben auswirken.
Im Rahmen des Workshops wird eine vom Universitätsspital Zürich und der Universität Zürich evaluierte Kurzintervention – RECHARGE – zur Bewältigung von Stress bei Gesundheitsfachpersonen, präsentiert. RECHARGE ist eine u.a. auf COVID-19 ausgerichtete, an Gesundheitsfachpersonen angepasste Stressintervention der WHO. Die Intervention ist ein evidenzbasiertes kurzes, flexibles, leicht skalierbares, vollständig online verfügbares psychologisches Programm, bestehend aus 4 Sitzungen à 60 Minuten. Das Ziel von RECHARGE ist das Erlernen effektiver Strategien des Stressmanagements, ein optimaler Umgang mit emotionalen und praktischen Herausforderungen im beruflichen und privaten Alltag und dadurch eine Steigerung der Resilienz.
Im Workshop werden erste Ergebnisse des durchgeführten RCT mit 160 Gesundheitsfachpersonen präsentiert. Die RECHARGE-Teilnehmer zeigen nach der Intervention zu allen Zeitpunkten signifikant weniger Symptome und können besser mit der Arbeitsbelastung umgehen. Anschliessend werden die psychologische Intervention RECHARGE und die einzelnen Strategien (Stressmanagement, Umgang mit Sorgen, sinnvolle Aktivitäten) beschrieben und deren praktische Anwendung mit den Teilnehmern geübt. 

Vortrag: Die neue ICD-11: Impulse für Diagnostik und Behandlung

Am 1. Januar 2022 tritt offiziell die ICD-11 in Kraft und damit auch das neue Kapitel zu „Spezifischen belastungsbezogenen Störungen“, zu denen die klassische und die komplexe PTBS, die Anhaltende Trauerstörung und die neuformulierte Anpassungsstörung gehört. In den deutschsprachigen Ländern wird 2022 allerdings noch nicht die Codierungspflicht mit dem ICD-11 eingeführt, sondern zu einem späteren Zeitpunkt. Als State-of-the-Art, insbesondere im Gutachtenbereich, sind die neuen Diagnosen allerdings jetzt schon aktuell.
Mein Überblicksvortrag widmet sich den neuen Entwicklungen in der Diagnostik, der Beschreibung der jeweiligen Pathoätiologien bzw. Störungsmodelle sowie der Impulse für die Behandlung und das klinische Management. In vielen europäischen Ländern arbeiteten Arbeitsgruppen intensiv in der Einführung der ICD-11 Diagnosen und ihrer Validitätsuntersuchungen. Dazu gibt es interessante Entwicklungen in anderen Weltregionen und bei Geflüchteten, z.B. zur Anhaltenden Trauerstörung.
Abschliessend gehe ich auf offene Probleme ein, wie die Unterschiede zum DSM-5-System und die Überlappungen der Diagnosen beispielsweise mit den dissoziativen Störungen und der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Workshop: Methoden zur bindungsfokussierten Fallsupervision für traumatisierte Kinder, Jugendliche wie auch belastete Systeme


Die Kinder und Jugendlichen, welche wir in unseren Arbeitskontexten antreffen, haben oft schon sehr vieles (üb)erlebt. Nicht wenige leiden an komplexen Traumafolgestörungen.
Ihre irritierenden bis zerstörerischen Verhaltensweisen machen es uns oft nicht einfach, sie zu verstehen, wir laufen Gefahr, uns durch sie fehlleiten zu lassen.
Eine stärkere Fokussierung auf die primären Beziehungserfahrungen dieser Kinder und Jugendlichen ermöglicht es, die irritierenden Verhaltensweisen als überlebenswichtige Anpassungsleistungen zu erkennen und entsprechend auch pädagogische Interventionen abzuleiten. Entsprechend wichtig ist es, die gewonnenen Erkenntnisse auch den künftigen Bezugspersonen der Kinder und Jugendlichen zur Verfügung zu stellen.
In diesem Workshop wird in einem ersten Schritt anhand von Fallbeispielen eine bindungsfokussierte, traumasensible Fallsupervisionsmethodik vorgestellt. In einem zweiten Schritt dann der Doppelte Rahmen 2.0, ein Modell für die Zusammenarbeit von Fachleuten der Kinder- & Jugendhilfe. Dieses ist darauf ausgerichtet, gemeinsam nachhaltige Kooperationen und Perspektiven mit sehr anspruchsvollen Klienten und Familiensystemen zu entwickeln.

Literatur
Gahleitner, S. (2020). Professionelle Beziehungsgestaltung in der psychosozialen Arbeit und Beratung. Tübingen: dgvt-Verlag.
Doppelter Rahmen 2.0
https://www.burghof.org/media/integras_doppelter_rahmen_2.0_fuer_systemspre