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Kurztherapie für PatientInnen nach Suizidversuch aus einer Traumaperspektive

Nach einem Suizidversuch ist das Risiko für einen späteren Suizid um ein Vielfaches erhöht. Die Behandlung dieser Hochrisikogruppe ist schwierig. Das Attempted Suicide Short Intervention Program (ASSIP) ist eine Kurztherapie für Patienten nach Suizidversuch. Es vereint Aspekte der kognitiven Verhaltenstherapie, der Bindungs- und der Handlungstheorie. In einer 24-monatigen randomisierten kontrollierten Verlaufsstudie konnte gezeigt werden, dass ASSIP das Risiko für suizidale Handlungen um annähernd 80 %. Innerhalb 3-4 Sitzungen werden die Hintergründe der suizidalen Krise geklärt, wichtige individuelle Warnzeichen und ein persönlicher Krisenplan im Fall von Suizidgefahr erarbeitet. Dabei wird die therapeutische Beziehung, als wichtigster präventiver Faktor im Umgang mit dem suizidalen Patienten, aufgebaut und durch ein anhaltendes Briefangebot aufrechterhalten.

In diesem Workshop werden die wichtigsten theoretischen Konzepte von ASSIP aus einer Traumaperspektive vorgestellt. Weiter wird den Workshop-Teilnehmern einen Überblick über die einzelnen Elemente der ASSIP Kurztherapie anhand von kurzen Videobeispielen, Rollenspielen und Fallbeispielen, einschließlich Elementen der aktiven Beteiligung, vermittelt.

Einflussnahme des Dritten Raumes auf Beziehungs- und Prozessgestaltung in der Kunsttherapie

Für die therapeutische Arbeit mit traumatisierten Menschen erweist sich der Einbezug des sogenannt dritten Raumes, welcher auf Bild- Werk und Imaginationsebene als Projektionsfläche für verschiedenste Aspekte dient, als besonders unterstützend. Der Einbezug dieses dritten Raumes entlastet die zwischenmenschliche Beziehung. Die kunsttherapeutische Arbeit im dritten Raum ermöglicht, mit Abgespaltenem in Kontakt zu kommen, Neues zu wagen und Selbstwirksamkeit zu erleben.
Die verschiedenen Qualitäten des Zugangs zu kreativen Ressourcen, Beziehungs- und Verhaltensweisen im dritten Raum werden mittels sechs herausgearbeiteten Typen charakterisiert und im Workshop dargestellt.  
Die Perfektionisten
Die Gruppe der Perfektionisten kompensiert ihr niedriges Selbstwertgefühl mit hohem Leistungsanspruch. Die auf Perfektion ausgerichteten Vorstellungen kommen auf verschiedenen Ebenen zum Ausdruck.
 Die Grenzenlosen/sich Verlierenden
In den Bildern der Grenzenlosen zeigen sich charakteristische Gestaltungs- und Ausdrucksweisen. Diese Menschen brauchen Präsenz und Kontrolle unterstützende Rahmen, – Struktur und Orientierung gebende Techniken.
Die Hyperaktiven
Die Angst vor Gefühlen und Leere erschweren den Hyperaktiven Vertiefung und Hingabe. Verschiedene gestalterische Interventionen ermöglichen den Betroffenen, Freude am künstlerischen Schaffen zu entwickeln.
Die Blockierten
Die Gruppe der Blockierten nehmen Gefühle und Emotionen reduziert wahr. Die Balance zwischen Förderung der Selbstakzeptanz und  Impulsieren von Schritten ins Vermeidungsland sind  zentral.
Die Autonomen
Die Überlebensstrategie der Autonomen ist Vermeidung von Abhängigkeit und Schwäche. Es zeigen sich Unverbindlichkeit, Misstrauen und ein starkes Autonomiebedürfnis.
Die Angepassten
Bei den Angepassten geht die Ausrichtung auf das Wohl der anderen auf Kosten des Selbstkontaktes, das Wahrnehmen eigener Grenzen und Willensimpulse.  Spannungen im Raum können zu Auslösern für Schuldgefühle, Anspannung und Dissoziation führen.

Literatur: Peter Sinapius, Annika Niemann: Das Dritte in Kunst und Therapie, Peter Lang Verlag, 2011
Luise Reddemann, Imagination als heilsame Kraft, Klett Verlag, sechste Auflage, 2002
Von Spreti, Martius, Förstl: Kunsttherapie bei psychischen Störungen, Urban und Fischer Verlag, zweite Auflage, 2012

Wenn auf einmal alles anders ist

Immer wieder sind Familien mit Herausforderungen und Unvorhergesehenem konfrontiert. Ihre Möglichkeiten darauf zu reagieren, haben einen grossen Einfluss auf die Lebensqualität der einzelnen Mitglieder. Traumatische Ereignisse beeinflussen die Interaktionen zwischen Eltern und Kindern in besonderem Masse. Diese können entwicklungsfördernd sein oder aber auch gegenteilige Auswirkungen haben.
Entsprechend wichtig ist es, dass die Eltern eng in die Behandlung miteinbezogen werden, nachdem das Kind ein traumatisches Ereignis erlebt hat. Ebenso soll unbedingt auch ihren in der Folge entstandenen Belastungen Beachtung geschenkt werden. Posttraumatische psychische Störungen bei den Eltern gelten als Risikofaktor für Traumafolgestörungen bei den Kindern (1). Bereits bei sehr jungen Kindern zeigt sich, wie wichtig es ist, die Eltern mit Wissen zu ihrer Unterstützung aber auch mit Hilfestellungen zum Umgang mit dem eigenen Stress zu versorgen (2).
Ebenso zentral ist bei schweren körperlichen Erkrankungen eines Elternteils die Beratung und ggf. therapeutische Begleitung auch der Kinder. So können negative Langzeitfolgen reduziert und die Familie im Umgang mit der Krankheit und deren Auswirkungen unterstützt werden.
Neben den Erläuterungen zu den oben genannten Themen, ausgehend vom klinischen Alltag der Referentin, wird auch auf Materialien und internetbasierte Unterstützung hingewiesen. Als besonders hilfreich hat sich in der Praxis die Webseite und gleichnamige Smartphone App KidTrauma (3) erwiesen, welche Forschende der Universität Zürich und des Kinderspitals Zürich unter der Leitung von Prof. Dr. M. Landolt entwickelt haben.

Quellen: (1) Spell, A. W., Kelley, M. L., Wang, J., Self-Brown, S., Davidson, K. L., Pellegrin, A., Palcic, J. L., Meyer, K., Paasch, V.  Baumeister, A. (2008). The moderating effects of maternal psychopathology on children’s adjustment post-Hurricane Katrina. Journal of Clinical Child and Adolescent Psychology, 37, 553-63.
(2) Haag, A. C., Landolt, M. A., Kenardy, J. A., Schiestl, C. M., Kimble, R. M., De Young, A.C. (2020). Preventive intervention for trauma reactions in young injured children: results of a multi-site randomised controlled trial. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 61(9), 988-97.
(3) www.kidtrauma.com

Development of (early) interventions to tackle intrusive memories and posttraumatic stress disorder following childbirth

Approximately one third of women perceive their childbirth as traumatic and some may as a consequence develop childbirth-related posttraumatic stress disorder (CB-PTSD). In community samples, CB-PTSD affects between 3–4 % of women after birth and around 16–19 % of women in high-risk groups, e.g., emergency cesarean section. Intrusive traumatic memories are repeated, involuntary and distressing sensory-perceptual fragments of a trauma memory. They are a core symptom of PTSD, as they drive other PTSD symptoms and prevent the normative decay of trauma memories. Targeting them may thus be an effective strategy to tackle PTSD symptoms. Evidence-based (early) interventions to reduce maternal intrusive traumatic memories to prevent the development of CB-PTSD, and thus the transfer of trauma-related consequences onto the future generation are lacking. Furthermore, currently available treatments for established CB-PTSD, such as exposure therapy, do not necessarily prevent the return of the trauma-linked fear response. Indeed, extinction is thought to produce a new memory trace inhibiting the original fear memory, which still exists and can thus resurface. This talk will describe some innovative theory-driven approaches assumed to directly target the original maladaptive memories, based on memory consolidation and reconsolidation processes. Results from several translational clinical studies from our lab testing a single-session behavioural intervention to reduce childbirth-related intrusive traumatic memories and in turn either prevent CB-PTSD symptoms or reduce established CB-PTSD symptoms will be shown. They represent potential first steps in the development of a brief, single-session, (early) intervention for CB-PTSD.