Stress und Belastungen bei Jugendlichen in der digitalen Welt

Stress und Belastungen bei Jugendlichen in der digitalen Welt

Daniel Süss

Jugendliche nutzen digitale Welten als erweiterte Handlungsräume, um Entwicklungsaufgaben zu bewältigen und ihren Alltag zu bereichern. Dabei gehen sie aber auch Risiken ein, welche zu Stress und Belastungen führen können. Soziale Netzwerke beispielsweise werden zur visuellen Biografiearbeit (Kramer, 2020) genutzt, d.h. neue Identitätsentwürfe werden erprobt. Sie führen aber auch zu selbstwertgefährdenden sozialen Vergleichen, unrealistischen Schönheitsidealen, Essstörungen und Verhaltenssucht. Influencer:innen prägen einseitige Genderrollenbilder, und Pornographie führt zu sexuellen Skripts, welche die Sozialisation der Jugendlichen ungünstig beeinflussen (Götz & Becker, 2019). Erotische Selbstinszenierungen in Selfies und TikTok-Videos können Ausgangspunkt für Cybermobbing und Sextortion werden. Gerade während der Corona-Pandemie hat die Nutzung digitaler Medien nochmals stark zugenommen und damit auch Erfahrungen von sexueller Belästigung online. Eine Erklärung dafür ist der Online Disinhibition Effect (Suler, 2004). Die Angst, etwas zu verpassen, wenn man nicht online ist, führt zu einem Druck zu permanenter Verfügbarkeit und zu Erschöpfung bei Jugendlichen. Schlafmangel wegen exzessiver Onlinezeiten kann vielfältige negative Folgen im Alltag der Jugendlichen nach sich ziehen. Sie entwickeln zwar selbst Strategien, um den Druck und dessen Folgen zu reduzieren, aber sie brauchen die Begleitung durch Peer Education und Erwachsene, um sich sicher in digitalen Welten zu bewegen und bei belastenden Erfahrungen rasch Hilfe zu erhalten. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, soziale Konstellationen und Situationen können belastende Medienerfahrungen und Gesundheitsrisiken begünstigen (Bernath et al., 2020). Präventive Ansätze verbinden Medienkompetenzförderung mit der Förderung von Charakterstärken und sozialen Kompetenzen.

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