Programm 2023

Programmflyer 

Das ausführliche Programm inkl. Auflistung aller Vorträge, Workshops, Symposien und Poster entnehmen Sie bitte den u.a. Einblendmenüs. Programmänderungen sind vorbehalten.

Donnerstag 16 Feb 2023

9:15 - 12:45 Preconference-Workshop

Brainwash – Die unterschätzte Gefahr von dauerhafter Nutzung von Computerspielen – Vom Computerspiel zur Spielsucht

Lutz Besser

Aktiv durchgeführte Gewalt-Computerspiele wie Ego-Shooter und ähnliches und ihr Beitrag zur Gefahr, gewalttätig in der Realität zu agieren – vom Spieler zum Täter.
Frei verfügbare Pornographie und Pornospiele – Gefahr für eine gesunde Sexualentwicklung und Enthemmung?
Entsprechend der Erkenntnisse zur Neuroplastizität des Gehirns sind es die Nutzungsbedingungen des Gehirns besonders bei Kindern und Jugendlichen, die dort feste Verknüpfungen, also Strukturen entwickeln, die unser Denken, Fühlen und Handeln mitbestimmen. Wie können wir Kinder und Jugendliche vor einem unkontrollierten Medien-, Spiele-, Pornokonsum schützen? Oder schauen wir solch einer „psychischen Umweltvergiftung“ tatenlos zu?
In dem Workshop sollen anhand anschaulicher Beispiele mit Szenen aus Computerspielen die Gefahren der Verharmlosung deutlich gemacht werden.

Do 9:15 - 12:45

Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren

Ferdinand Haenel

Im Bereich des Asyl- und Aufenthaltsrechtes geht es bei der klinischen psychotraumatologischen Kausalitätsbegutachtung zum einen um die Frage, ob psychische oder physische Gesundheitsstörungen vorliegen, welche die Angaben der Antragsteller oder Kläger zu ihrem Asylbegehren auf Grundlage von Art. 16a GG oder § 60.1 AufenthG stützen, zum anderen ob vorliegende psychische Gesundheitsstörungen sich im Kontext einer Rückführung tiefgreifend und lebensbedrohlich verschlechtern können, so dass ein dauerhaftes Abschiebehindernis nach § 60.7 oder § 25 AufenthG besteht (Haenel u. Wenk-Ansohn 2004). Auf dem Wege zur Beantwortung dieser Fragen sieht sich der psychiatrisch-psychotherapeutisch ausgebildete Gutachter vier besonderen Hindernissen gegenüber, die er überwinden muss, wenn er an seiner Aufgabe nicht scheitern will. Es sind:

  1. Traumaspezifische Besonderheiten bei der Exploration
  2. Der fehlende Nachweis des Traumas
  3. Die mangelnde Objektivierbarkeit der Symptomatik
  4. Sprachlich und kulturelle Erschwernisse

In diesem Workshop soll auf diese vier Hindernisse näher eingegangen werden und Möglichkeiten ihrer Überwindung aufgezeigt werden.

Literatur: Haenel F: Gutachten und klinische Expertisen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren. In: Mayer T, Morina N, Schick M, Schnyder U. (Hrsg): Trauma - Flucht - Asyl: Ein interdisziplinäres Handbuch für Beratung, Betreuung und Behandlung- Bern (2019).- S.229-246

Do 9:15 - 12:45

Yoga und PTBS

Dietmar Mitzinger, Heidemarie Haller

In diesem Workshop wird Pranayama – eine Atemtechnik des Yoga – als Zusatzintervention in der Therapie von posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und komplexer PTBS vorgestellt. In der klinischen Studie YOGAPTBS, die an der Universität Duisburg-Essen in der Zeit von November 2017 bis April 2021 durchgeführt worden ist, hat sich gezeigt, dass Pranayama als sinnvolles, sicheres und effektives Mittel in der Therapie von PTBS eingesetzt werden kann. Inhalt des Workshops sind die theoretischen Modelle, die die Wirksamkeit von Pranayama – anhand von netzwerkbasierten biologischen Modellen – aufzeigen, sowie praktische Übungseinheiten, in denen die Pranayamatechniken demonstriert und geübt werden. Hierdurch soll der stabilisierende Effekt auf die Aufmerksamkeit erklärt und erfahren werden. Das Ziel dieses Workshops ist es, einen ersten Einblick in Pranayama und dessen Vermittlung an PatientenInnen mit PTBS zu erlangen.  Zusätzlich soll ein Raum dafür angeboten werden, welche Herausforderungen sich bei der Durchführung von Pranayama insbesondere bei PatientenInnen mit komplexer PDBS ergeben können und wie man diese durch Zusatzübungen auffangen kann. Dadurch soll die Breite des körpertherapeutischen Ansatzes des Yoga dargestellt und gleichzeitig ein Verständnis dafür erzeugt werden, welche Rollen Muskeln Faszien und Organe in der Anwendung von Pranayama und in der Ausprägung von PTBS spielen können und wie darauf eingegangen werden kann.

Do 9:15 - 12:45
40 max

Somatisches Narrativ SN – Somatisch Narrative Therapie SNT, Therapeutisch additives „Plug in“ und generell kompatible Methode

Walter Schurig

Jegliches Erleben hat eine psychische und eine somatische Dimension, das Psychische ist nicht isoliert. Die topographische Verteilung von Körperempfindungen korrespondiert zu basalen Emotionen sogar eineindeutig.
Belastendes, traumatisches Erleben ist nun aber im Psychischen wie im Körperlichen inkohärent, verzerrt, z.B. dissoziiert, schwer bearbeitbar. Somatisches Erleben ist dagegen oft sehr präsent. Im therapeutischen Prozess ist es zunehmend kohärent mit Emotionen und Erfahrungen verknüpfbar, als Somatisches Narrativ beschreibbar. 
Mit asymmetrischen oder lokalen Körperempfindungen stellen sich oft Fragmente belastender Erinnerungen, mit symmetrischen Empfindungen Gefühlszustände, mit raumbezogenem Empfinden bedeutsame Situationen dar.
Bedeutsame somatische Erlebensinhalte führen sich rekursiv auf prägnante elementare Emotionen zurück, mit eindeutigen körperlichen Entsprechungen. Es erfolgt eine emotionale Integration von psychischen, somatischen und situativen Erlebensinhalten, mit deutlichem antidissoziativem Effekt. Oft wird unmittelbare spontane Evidenz mit nachhaltiger Entlastung erreicht, quantifizierbar als Maß für die Effektivität der Intervention und der Methode.
Zuvor disparate Erlebensinhalte verknüpfen sich so im therapeutischen Prozess zu einem kohärenten Narrativ der eigenen Geschichte. Damit einhergehende Reflexion in einer „Metaisierung des Erlebens“ läßt eine Klärung, ein Verständnis der eigenen Geschichte, eine Distanzierung und Neuorientierung erreichbar werden.
Im Workshop werden nach einer Einführung in die Thematik Fallbeispiele und praxisnahe Übungen zur Verdeutlichung von systematischer Einsatzfähigkeit und Kompatibilität des methodischen Ansatzes angeboten.

Do 9:15 - 12:45

Eine neue Perspektive für Komplextraumatisierte Patienten – Die frühe Erfassung von Komplextrauma mit minimierter Traumaexposition

A. Janner Steffan

Komplextraumatisierte Patienten leben mit einer «Sisyphus-Dynamik», einem immer wieder zu erneuernden Bemühen, ihren instabilen Zustand zu stabilisieren. Sie erleben das Heute subjektiv, häufig auch objektiv, in einer mobilen bzw. immobilen Verteidigungsposition ohne Zugang zu der Regulation durch den Ventralen Vagus (Porges, 2014).  Die heutigen Symptome und adaptiven, häufig selbstschädigenden Strategien stellen die optimale Sicherheit dar, die ihr Organismus aufbauen konnte, um zu überleben. In diesem Kontext ist Therapie eine Herausforderung, sowohl Chance wie Bedrohung, da die neue geheilte Struktur noch in der Zukunft liegt, während die Auseinandersetzung mit dem «Wer ich bin» schon beginnt. Häufig führt dies zu einer Anfangsverschlechterung mit einer Verstärkung defensiven Verhaltens, z.B. Erhöhung von Dissoziation, Zwangs- und Suchtverhalten oder Verstärkung der Erstarrung oder Hypererregung.
Dieser Workshop stellt einen neuen strukturierten Ansatz vor, um den Traumatisierungsgrad und die Charakteristika der Überlebensstruktur schnell zu bestimmen und zu kartografieren, in Anlehnung an die «Karte des Selbst»» (Siegel, 1999), verbunden mit einer deutlich verminderten Destabilisierung des Patienten. Im Vordergrund steht die kontinuierliche Einstimmung auf den psychobiologischen Zustand des Patienten, um das Trauma-gebremste System in Fluss zu kitzeln. Durch diesen Ansatz wird die initiale Verschlechterung bzw. Aktivierung vermieden und der Patient erlebt ein verstärktes Gefühl von Sicherheit (Porges, 2021).
Dieser Ansatz wird seit mehreren Jahren mit Erfolg u.a. in Lifespan Integration® Therapie (Janner Steffan, 2016, 2017 u. 2019 und Tift® (Trauma Integrating Flow Therapy, Janner 2022) angewandt.

Inhalt des Workshops:

  • Eine theoretische Einführung über die Integrationsdynamik komplexer lebender Systeme
  • Praktische Tools: eine Assessment Karte mit Bestimmung der wichtigsten Überlebensstrukturen
  • Praktische Fallbeispiele
  • Anwendung in Kleingruppen
  • Video-Beispiele

Do 9:15 - 12:45
30 max

10:00 - 17:00 Paper in a day - Workshop

Paper in a day – Workshop der Zeitschrift Trauma und Gewalt für Nachwuchswissenschaftler:innen

Ingo Schäfer, Heide Glaesmer

20.01.2023 – Obligatorisches Vorbereitungstreffen (online), 15-17 Uhr
16.02.2023 – kostenfreier Workshop vor Ort, 10-17 Uhr

In frühen Phasen ihrer wissenschaftlichen Karriere ist es für angehende Forscher:innen besonders wichtig, Routine im Schreiben von wissenschaftlichen Artikeln zu entwickeln. Auch das Knüpfen von Kontakten und der Austausch mit Kolleg:innen spielt eine wichtige Rolle. In diesem von der Zeitschrift „Trauma und Gewalt“ ausgerichteten Workshop haben Nachwuchswissenschaftler:innen die Gelegenheit an einem konkreten Manuskript mitzuwirken, das später in „Trauma und Gewalt“ publiziert werden soll, sowie Kontakte zu knüpfen und zu erweitern und eine Basis für weitere Kooperationen zu legen. Im Workshop soll unter Betreuung der beiden Leiter*innen ein Manuskript vorbereitet und geschrieben werden. Der Schreibprozess wird über den Workshop hinaus begleitet. Zielgruppe sind Kolleg:innen, die sich in frühen Phasen ihrer Karriere befinden (z.B. Masterand:innen und Doktorand:innen). Von den Teilnehmenden wird Folgendes erwartet:

  • Teilnahme am Vorbereitungstreffen (online) am 20.01.2022
  • Vollständige Anwesenheit am Workshop
  • Teilnahme an zwei Videokonferenzen in den folgenden Monaten
  • Erledigung von spezifischen Aufgaben nach jeder der drei Konferenzen
  • Beteiligung an der Finalisierung des entstehenden Manuskripts.

Do 10:00 - 17:00

14:00 - 17:30 Preconference-Workshop

Wenn das Trauma mit am Küchentisch sitzt

Jochen Binder, Christina Kohli

Wenn Kinder oder Erwachsene traumatisiert wurden, hat dies nicht nur auf das Leben des Einzelnen massive Auswirkungen, sondern das Familiensystem als Ganzes steht oft vor grossen Herausforderungen und Belastungen. Auch nicht traumatisierte Familienmitglieder leiden oft unter den Symptomen und Folgen. Teilweise begegnen wir Familien, in denen Kinder und Eltern traumatisiert sind. Im Praxisalltag erleben wir leider zu oft, dass in den Einzeltherapien die systemische Ebene zu wenig gesehen wird. Durch die Trennung von Kinder-/Jugendtherapie und Erwachsenentherapie ergeben sich Hindernisse in der Zusammenarbeit. Uns stehen heute gut fundierte und wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die jedoch zu selten eine Verknüpfung vom Einzelnen zur Familie herstellen. Wir wollen im Workshop diese Lücke schliessen und den Teilnehmenden die Möglichkeit geben, den Blick auf das ganze Familiensystem und dessen Behandlungsmöglichkeiten zu richten. Dabei werden wirksame Therapieoptionen, Interventionsmöglichkeiten und wichtige Zusammenhänge, die im Therapiealltag gut umsetzbar sind, vorgestellt. 

Do 14:00 - 17:30
20 max

Brainwash – Die unterschätzte Gefahr von dauerhafter Nutzung von Computerspielen – Vom Computerspiel zur Spielsucht

Lutz Besser

Aktiv durchgeführte Gewalt-Computerspiele wie Ego-Shooter und ähnliches und ihr Beitrag zur Gefahr, gewalttätig in der Realität zu agieren – vom Spieler zum Täter.
Frei verfügbare Pornographie und Pornospiele – Gefahr für eine gesunde Sexualentwicklung und Enthemmung?
Entsprechend der Erkenntnisse zur Neuroplastizität des Gehirns sind es die Nutzungsbedingungen des Gehirns besonders bei Kindern und Jugendlichen, die dort feste Verknüpfungen, also Strukturen entwickeln, die unser Denken, Fühlen und Handeln mitbestimmen. Wie können wir Kinder und Jugendliche vor einem unkontrollierten Medien-, Spiele-, Pornokonsum schützen? Oder schauen wir solch einer „psychischen Umweltvergiftung“ tatenlos zu?
In dem Workshop sollen anhand anschaulicher Beispiele mit Szenen aus Computerspielen die Gefahren der Verharmlosung deutlich gemacht werden.

Do 14:00 - 17:30

Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen im Sozialen Entschädigungsrecht und der gesetzlichen Unfallversicherung, Gutachtenstandards der DeGPT

Doris Denis, Ferdinand Haenel

Häufig ist fest­zustellen, dass klinische GutachterInnen in der Kausalitäts­beurteilung psychisch reaktiver Traumafolgen oft zu extrem gegensätzlichen Ergebnissen gelangen. Neben symptombedingter Behinderung der Exploration und besonderen Beziehungsaspekten, die die Objektivität der gutach­terlichen Beurteilung beein­trächtigen können, sind es eine Vielzahl möglicher komor­bider Störungen, die psychisch reaktive Traumafolgen überlagern und so zu Fehlbeurteilungen bei der Begutach­tung führen kön­nen. Eine schädigungsunabhängige psychische Vor­erkrankung macht die Beurteilung vollends schwierig.
Aus diesem Grund hat die DeGPT vor 6 Jahren ein zertifiziertes Fortbildungscurriculum verabschiedet, welches psychologische und ärztliche FachkollegInnen in die Lage versetzen soll, klinische Gutachten zu psychisch reaktiven Traumafolgen und ihrer Genese in sozialrechtlichen Verfahren fachkompetent zu erstellen. Die von der DeGPT entwickelten Standards für die schriftliche Gutachtenerstellung sollen dabei eine ausreichend begründete und für Dritte nachvollziehbare Beurteilung garantieren, die in der Praxis nicht immer gegeben ist.
In diesem Workshop sollen die speziellen Probleme anhand von Fallbeispielen (gerne auch mitgebrachte Fälle von TeilnehmerInnen)  illustriert, die Standards der DeGPT  zur Gutachtenerstellung der DeGPT erläutert und auf Besonderheiten bei der Exploration und Beurteilung hingewiesen werden.

 http://www.degpt.de/curricula/degpt-curriculum-begutachtung.html

 Literatur:
Haenel F, Denis D, Freyberger H. Die Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen im Rahmen des OEG. In: Seidler GH, Freyberger HJ, Maercker A. Handbuch der Psychotraumatologie. Stuttgart 2011; S. 735-745
G. Flatten, E. Ebbinghaus (Hrsg): Themenhefte „Begutachtungspraxis psychisch reaktiver Traumafolgen“, Trauma & Gewalt, 8.Jg., Heft 2, Mai 2014 sowie 10.Jg., Heft 2, Mai 2016
D. Denis, F. Haenel (Hrsg) Trauma & Gewalt - Themenheft „Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen - Soziales Entschädigungsrecht, gesetzliche Unfallversicherung, Aufenthaltsrecht“, 15.Jg., Heft 2, Mai 2021.

Do 14:00 - 17:30

Behandlung der Komplexen PTBS: Das Therapieprogramm „STAIR/NT“

Janine Borowski, Ingo Schäfer

Personen, die in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch oder Misshandlung erlebt haben, leiden oft nicht nur unter Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), sondern auch unter weiteren Beeinträchtigungen, etwa einer eingeschränkten Affektregulation, Schwierigkeiten in interpersonellen Beziehungen und einem negativen Selbstbild. Gerade diese zusätzlichen Symptombereiche, die inzwischen als typische Beschwerden im Rahmen einer „Komplexen PTBS“ interpretiert werden, tragen maßgeblich zu den Alltagseinschränkungen Betroffener bei. Bei „STAIR/Narrative Therapie“ handelt es sich um einen Behandlungsansatz, der genau diese Bereiche systematisch berücksichtigt und zusätzlich zur Reduktion der PTBS-Symptomatik eine flexible Behandlung von Defiziten der Emotionsregulation und der interpersonellen Kompetenzen bei traumatisierten Personen erlaubt. Das Therapieprogramm integriert in einem phasenorientierten Vorgehen wirksame Interventionen zur Behandlung komplexer Traumafolgestörungen und wird in den neuen Behandlungsleitlinien als eines der Standardverfahren empfohlen. Im Workshop wird ein Überblick über das Therapieprogramm gegeben sowie auf seinen Einsatz im Einzel- wie im Gruppensetting eingegangen. Neben der theoretischen Einführung wird es eine Reihe von praktischen Übungen geben.

Literatur
Cloitre M, Cohen LR, Koenen KC (2013) Sexueller Missbrauch und Misshandlung in der Kindheit. Ein Therapieprogramm zur Behandlung komplexer Traumafolgen. Göttingen: Hogrefe-Verlag.

Do 14:00 - 17:30
40 max

Mobbing: Ist ein Reset auf Körperebene möglich?

Karin Wild

Mobbing verändert das Verhältnis zum Körper. Psychosomatische Symptome wie Schlaflosigkeit und Gelenk- oder Muskelschmerzen treten häufig schon kurz nach dem Einsetzen der feindlichen Attacken auf (Leymann, 2013). Das Nervensystem reagiert und aktiviert Kampf- und Fluchtimpulse, was zu heftigen Reaktionen der Betroffenen führt (Porges, 2017). Der Pionier der Mobbingforschung, Heinz Leymann, betont, dass die Verteidigung umso primitiver wird, je grösser die Angstentwicklung ausfällt. Es beginnt ein Teufelskreis, weil das Verteidigungsverhalten der Betroffenen nicht selten als Bestätigung dafür gesehen wird, dass sie sozial unangenehm, ja untragbar sind.
Im Workshop befassen wir uns damit, wie die aktivierten Kampf- und Fluchtimpulse erkannt und entlastet werden können. Basierend auf den Erkenntnissen von Porges werden Möglichkeiten vermittelt, wie sich das von ihm benannte «Social Engagement System» und damit verträglichere Reaktionen aktivieren lassen. Die Resonanz-Theorie von Rosa und der Umgang mit Verbitterungsstörungen nach Linden bilden weitere Grundpfeiler für die Wahl körperorientierter Interventionen (Rosa, 2016, Linden, 2017).
Ziel ist es, Teilnehmenden des Workshops Wege aufzuzeigen, wie kognitive Endlosschleifen nach Mobbingerfahrungen wirkungsvoll durch Ressourcenaktivierung auf Körperebene unterbrochen werden können. Ein weiteres Augenmerk gilt Anleitungen für  Betroffene für Erfahrungen von Kontrolle und Selbstwirksamkeit.

Literatur:
Leymann H. (2013). Mobbing, Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann. Reinbeck bei Hamburg: Rowolt
Porges St. W. (2017). Die Polyvagal-Theorie und die Suche nach Sicherheit. Traumabehandlung, soziales Engagement und Bindung. Lichtenau: G.P. Probst
Rosa H. (2016). Resonanz, eine Soziologie der Weltbeziehungen. Berlin. Suhrkamp
Linden M. (2017). Verbitterung und Posttraumatische Verbitterungsstörung. Göttingen, Hogrefe

Do 14:00 - 17:30
25 max

Multisystemische Therapie – ein familienpsychiatrischer Ansatz für traumatisierte Familien

Andreas Ritter, Daniela Jordi, Livia Voneschen, Marc Schmid

Im Rahmen dieses Workshops werden die zentralen Konzepte der aufsuchend arbeitenden Multisystemischen Therapie und deren Adaptation für Familien mit besonders hohem Misshandlungs- und Vernachlässigungsrisiko praxisnah vorgestellt. Die einzelnen Bausteine der manualisierten Behandlung und die Rahmenbedingungen von MST werden nur kurz präsentiert, um sich im Folgenden auf jene Interventionen zu fokussieren, die auch in anderen Behandlungssettings effektiv und effizient angewendet werden können. Besonders wichtig ist es eine „MST-Haltung“ dem gefährdenden Elternverhalten gegenüber zu vermitteln. Diese zielt darauf ab eine herausfordernde Balance zwischen emotionaler Validierung, Verständnis und Konfrontation und gleichzeitigem Einfordern von Verantwortungsbernahme zu halten. Gleichzeitig Veränderungsmotivation, Sicherheit, Vertrauen aufzubauen und die Ressourcen im Umfeld der Familie zu fördern.
Auf drei Interventionen, die sich besonders bewährt haben, wird vertieft eingegangen der „Fit", der „Safety-Plan“ und der „Abuse Clarification Process“. Im Rahmen der MST-CAN Behandlung bilden einfache, aber elaborierte mit der Familie erarbeitete Sicherheitsplänen die Basis für die ganze Behandlung. Der Kern der MST-Can Behandlung ist der sogenannte „Fit“ ein Raster um Problemverhalten multisystemisches zu verstehen. Auch das vernachlässigende Verhalten der Eltern wird mit dieser Methode reflektiert. Der „Abuse Clarification Process (ACP)“ ist die Krönung jeder erfolgreichen MST-CAN-Behandlung.  Im ACP wird mit den Eltern ein Brief mit einem Narrativ bezüglich der Misshandlung erarbeitet, welches die Verantwortungsübernahme durch die Elternteile, die Perspektivenübernahme (wie hat das Kind sich in dieser Situation gefühlt), eine aufrichtige Entschuldigung sowie einem Ausblick (wie lassen sich solche Situationen zukünftig sicher vermeiden) umfasst. Dieser Brief wird in einem emotionalen Prozess den Kindern vorgelesen. Alle Interventionen werden im Workshop direkt angewendet werden oder anhand von anschaulichen Praxisbeispielen vorgestellt.

Do 14:00 - 17:30
20 max

18:00 - 19:30 Tagungseröffnung, Öffentlicher Vortrag

Öffentlicher Abendvortrag

Elgar Fleisch

Wir freuen uns, dass wir Prof. Dr. Elgar Fleisch, Professor für Informations- und Technologiemanagement an der ETH Zürich und der Universität St. Gallen für den öffentlichen Vortrag gewinnen konnten. Er wird einen Vortrag zu seinem Buch Die Digitale Pille halten.

 

Die Digitale Pille

Der medizinische Fortschritt ist wohl eine der grössten Erfolgsgeschichten der Menschheit. Dank Impfstoffen, Antibiotika, der Chirurgie und vielem mehr hat sich unsere Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren verdoppelt. Doch gleichzeitig nehmen die chronischen Krankheiten rund um den Erdball überhand. Sie bringen nicht nur unendlich viel Leid – die Lebensjahre, die wir mit Behinderungen verbringen, nehmen rasant zu – sondern führen auch unsere Gesundheitssysteme an ihre Grenzen. Im Schnitt verantworten chronische Krankheiten heute ca. 85 % unserer Gesundheitskosten, auch weil unsere Gesundheitssysteme bei ihrem Aufbau auf akute Krankheiten ausgelegt wurden und nicht auf schleichende und lange andauernde Krankheitsbilder oder gar auf die Prävention derselben.
Der Vortrag zeigt, wie sich in diesem Kontext die Wirkung des digitalen Gesundheitswesens entfaltet. Anhand von zahlreichen Praxisbeispielen aus der ganzen Welt führt er in die unterschiedlichen Muster der digitalen Medizin ein und leitet Thesen zu deren Evolution ab. Zu den vorgestellten Mustergruppen zählen die Do it yourself-Medizin mit all ihren zum Teil überraschenden Erscheinungsformen, die sich digital stark weiterentwickelnde Arzt-Patientenbeziehung, die digitalen Therapien und die digital gestützte Medikamentenentwicklung von der Wirkstoffidentifikation bis hin zu klinischen Studien. Spätestens beim letzten Muster wird klar, warum Datenspenden das neue Blutspenden ist.
Im Ausblick geht Prof. Fleisch der Frage nach, warum wir unsere Autos nahezu perfekt und präventiv warten, Körper und Geist jedoch kaum, und skizziert einen möglichen digital unterstützten Entwicklungspfad in Richtung «Healthy Longevity».

Do 18:00 - 19:30

Freitag 17 Feb 2023

9:00 - 10:30 Vortrag, Keynote Speaker, Postersession 1

Current State of Advancing Treatment for PTSD

Richard Bryant

Trauma-focused psychotherapies are the treatment of choice for PTSD. Despite this, nearly one-half of PTSD patients do not respond to these treatments. This situation has not changed over several decades. This keynote will provide an overview of the current knowledge of how effective trauma-focused therapies are, and critique attempts to improve treatment response. Many of these attempts have involved pharmacological augmentations of psychotherapy, although these have been largely unsuccessful. This keynote will outline some alternative promising approaches to augmenting treatment using behavioural strategies and digital tools. It will also overview recent work on understanding predictors of treatment response for trauma-focused psychotherapies, and highlight that there are multiple factors that can influence treatment outcome. This conclusion points to the potential for more targeted and flexible approaches that address specific needs of patients rather than a ‘one size fits all’ approach.

Fr 9:00 - 10:30

Postersession 1

Poster 1
Viktimisierungserfahrung, Einsamkeit, Depressivität und Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen in Fremdunterbringung
Lucia Emmerich, Betteke Maria van Noort, Birgit Wagner

Poster 2
Investigating endocannabinoid hair concentrations in women with childhood maltreatment and their children from late pregnancy to one year after birth
Melissa Hitzler, Lynn Matits, Anja M. Gumpp, Alexander Behnke, Iris-Tatjana Kolassa,
Alexander Karabatsiakis, Clemens Kirschbaum

Poster 3
The Dissociative Subtype of Posttraumatic Stress Disorder Scale: Development and Validation of a German Version
Sabrina Hettegger, Sarah K. Danböck, Sofia Anders, Laila K. Franke, Michael Liedlgruber, Stephan Miedl, Frank H. Wilhelm, Thomas Ehring

Poster 4
Projekt HilfT – Einflussfaktoren bei der Implementierung der flächendeckenden Versorgung durch OEG-Traumaambulanzen in Deutschland nach SGB XIV
Isabella Flatten-Whithead, Miriam Rassenhofer, Marc Giesmann, Ingo Schäfer, Julia Schellong

Poster 5
Wie im Film: Der Beitrag eines psychoedukativen Kurzfilms zum Abbau von Hürden in der psychotherapeutischen Versorgung Geflüchteter
Jana Denkinger, Caroline Rometsch, Petra Windthorst, Florian Junne

Poster 6
Auswirkungen von Misshandlungs- und Vernachlässigungserfahrungen auf die Lebensqualität ehemals fremdplatzierter junger Erwachsener: Ergebnisse der schweizweiten Kohortenstudie JAEL
Milou Leiting, Nils Jenkel, Marc Schmid, David Bürgin

Poster 7
Identifying distinct subgroups of suicidal ideations in high-risk psychiatric in-patients: an ecological momentary assessment study
Stephanie Homan, Birgit Kleim, Zachary Roman, Anja Ries, Nina Klee, Carlo Berther, Sarina Blaser, Marion Gabi, Urte Scholz, Philipp Homan, Hanne Scheerer, Michael Colla,
Stefan Vetter, Sebastian Olbrich, Erich Seifritz, Prabhakaran Santhanam, Sofia Michel, Anna-Marie Bertram, Isaac Galatzer-Levy, Tobias Kowatsch

Poster 8
Akzeptanz des videokonferenzbasierten SOLAR-Programms zur Verringerung subklinischer Belastung bei Traumaüberlebenden – Eine Pilotstudie während der COVID-19 Pandemie
Laura Kenntemich, Imke Hinrichsen, Winnie Lau, Meaghan O’Donnell, Annett Lotzin

Poster 9
Negative inferences and expectations mediate effects of negative cognitions on PTSD symptoms: A prospective study of assault survivors
Laura Meine, Linda Schaekel, Birgit Kleim

Poster 10
Trauma Memory Modulation by Post-Treatment Sleep in Patients with PTSD and subthreshold PTSD
Laura Meister, Alex Rosi-Andersen, Steven Brown, Erich Seifritz, Birgit Kleim

Poster 11
Eine transdiagnostische Kurzintervention für afghanische Geflüchtete in Österreich: Subjektive Erfahrungen der Teilnehmer:innen und Expertenmeinungen
Viktoria Kantor, Dina Weindl, Matthias Knefel, Jennifer Schieß-Jokanovic, Brigitte Lueger-Schuster

Poster 12
BDSM und sadomasochistische Fantasien in PatientInnen mit Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) und Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS)
Hannah Franziska Warkentin

Fr 9:00 - 10:30

11:00 - 12:30 Symposien 1

TESTIMONY-Verbundprojekt: Erfahrungen in DDR-Kinderheimen, Bewältigung und Aufarbeitung

Heide Glaesmer, Birgit Wagner

Erfahrungen sexualisierter Gewalt ehemaliger Kinder und Jugendlicher in DDR-Kinderheimen und Jugendwerkhöfen
Doreen Hoffmann, Maya Böhm, Heide Glaesmer

Webbasierte Imagery Rescripting Intervention für ehemalige Betroffene nach
DDR-Heimerfahrungen: Ergebnisse einer randomisierten Kontrollgruppenstudie
Birgit Wagner, Maya Böhm, Laurence Reuter, Thomas Martin

Das Erleben von „Ethical loneliness“ nach DDR-Heimerfahrungen – faktorenanalytische Prüfung eines neuen Fragebogens zur Erfassung von Ethical Loneliness
Heide Glaesmer, Maya Böhm, Doreen Hoffmann, Carla Burkhard

Erfahrungen und Wissensbedarf von Fachpersonal in der psychosozialen Beratung und der psychotherapeutischen Versorgung mit Menschen mit DDR-Heimerfahrung in Beratung und Therapie
Emilie Compera, Doreen Hoffmann, Maya Böhm, Heide Glaesmer

Fr 11:00 - 12:30

Gewalt und Digitaler Raum

N.N.

Fallmanagement bei Digitaler Gewalt
Horia Fabini

Ein Einblick in die Vielfalt psychologischer Inhalte bei Instagram – Möglichkeiten, Chancen, Risiken
Maren Hein

Fr 11:00 - 12:30

Nachwuchssymposium

Birgit Kleim, Matthias Knefel

Raum Parsing intrusive memories and their characteristics in individuals with posttraumatic stress disorder or cocaine use disorder – an ecological momentary assessment study
Lina Dietiker

Hyperarousal und traumatische Erfahrungen: Noradrenalin fördert die Konsolidierung konditionierter Furcht
Matthias F.J. Sperl, Christian Panitz, Nadine Skoluda, Urs M. Nater, Diego A. Pizzagalli, Christiane Hermann, Erik M. Mueller

Smartphone-delivered mental health care interventions for refugees: A systematic review of the literature
Rayan El-Haj-Mohamad, Laura Nohr, Helen Niemeyer, Maria Böttche,
Christine Knaevelsrud

Die Durchführung einer individual participant data meta-analysis (IPD-MA) in der Traumaforschung mit Kindern und Jugendlichen – Balance zwischen Machbarkeit und Goldstandard
Anke de Haan, Tim Dalgleish

Fr 11:00 - 12:30

Risiken und Chancen für Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt: Sexuelle Handlungen und Annäherungsversuche, Screening und Hilfeplanung sowie Traumatherapie online

Cedric Sachser

Cybergrooming, sexuelle Gewalt im Netz und deren Zusammenhang mit posttraumatischen Stresssymptomen bei Kindern und Jugendlichen
Elisa Pfeiffer, Lucy Berliner, Cedric Sachser

KidTrauma – Ein Screeningangebot via Webseite und App zur Früherkennung psychischer Probleme bei traumatisierten Kindern und Jugendlichen
Lasse Bartels, Markus A. Landolt

Online-Training für junge Menschen zur Traumabewältigung – Ist die Umsetzung
und Durchführung einer Internet- und Mobilbasierten Intervention zur Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen möglich?
Christina Schulte, Anna-Carlotta Zarski, David Daniel Ebert

Fr 11:00 - 12:30

Forschung im Feld – Neue Behandlungsansätze und praxisnahe Erkenntnisse aus der Arbeit mit Geflüchteten an den PSZs

Katrin Schock

Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung bei traumatisierten geflüchteten
Patient:innen
Maria Böttche, Johanna Mühlwitz, Angelika Geiling, Tanja Waiblinger, Nadine Stammel

Wobei hat die Psychotherapie Ihnen geholfen? Eine mixed-method Nachbefragung von Asylsuchenden in Psychotherapie der Jahre 2016 bis 2021
Florian Harder

Behandlung von Schlafstörungen nach Flucht und Traumatisierung – Ergebnisse
der Pilotphase des kultursensiblen Gruppentherapieprogramms STARS (Sleep
Training adpated for Refugees)
Britta Dumser, Gabriela Werner, Theresa Koch

Einsatz von qualifizierten Sprachmittler:innen in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung geflüchteter Menschen
Katrin Schock, Danja Schönhöfer, Insa Kühl

Fr 11:00 - 12:30

Wo Selbstwirksamkeit erfahrbar wird: ambulante und stationäre Therapiemodule zum Empowerment

Jochen Binder

MePro – Modulares Edukationsprogramm für Angehörige von Menschen mit
komplexer posttraumatischer Belastungsstörung: Eine Mixed Methods Machbarkeitsstudie
Manuel Stadtmann, Rahel Bachem, Niklaus Stutz, Jochen Binder

«Atelier»: Ein wöchentliches Lernfeld am Steuer des eigenen Therapieprozesses
Karin Wild, Manuel Stadtmann

Das «Atelier»: Organisation und Koordination als Navigationshilfen für
Behandlungsteam, Patientinnen und Patienten
Judith Zink

«Atelier»: Eigenverantwortlichkeit auf sicherem Boden
Daniel Trencev

Fr 11:00 - 12:30

Stress- und Traumaprävention für Einsatz und Gesundheitsfachkräfte

Ingo Schäfer, Peter Schüßler

Belastungserleben von Mitarbeiter:innen eines Bundeswehrkrankenhauses im
Rahmen der Covid-19-Pandemie
Johannes Müller, Helge Höllmer, Thiemo Knast

Stress- und Traumaprävention für Beschäftigte der Hamburger Universitätsklinik – Evaluationsergebnisse und Erfahrungen im Pandemiekontext
Christian Hannig, Sascha Milin, Annett Lotzin, Ingo Schäfer

Empathie, Überlastung, Arbeitsunfall – Covid-19 als Einbruch in den medizinischen
Alltag und als Anforderung an die kollegiale psychosoziale Unterstützung
Julia Schellong, René Noack, Kerstin Weidner

Trauma Ressource Management nach der Amokfahrt in Trier am 1. Dezember 2020
Peter Schüßler, Sarah Roulands

Fr 11:00 - 12:30

ICD-11 Entwicklungen und neue Befunde zu speziellen Populationen

N.N.

Die neue ICD-11: Impulse für Diagnostik und Behandlung
Andreas Maercker

Ambulante Gruppentherapie für Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung?
Ja! Die Chancen überwiegen die Risiken und es geht sogar „online“!
Fabian Wilmers

Brainwash – Die unterschätzte Gefahr von dauerhafter Nutzung von
Computerspielen
Lutz Besser

Fr 11:00 - 12:30

Folgen von Missbrauch und Vernachlässigung in der Kindheit

N.N.

Missbrauch und Vernachlässigung in der Kindheit im Zusammenhang mit Depressions- und Angstsymptomen – die mediierende Rolle des Strukturniveaus: Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung
Hanna Kampling, Sandra Zara, Samuel Werner, Anna Freier, Bjarne Schmalbach, Elmar
Brähler, Jörg M. Fegert, Johannes Kruse

Resilience and disclosure in older adult survivors of childhood institutional abuse in Ireland
Schauna Rohner, Aileen N. Salas Castillo, Jessica Michel, Andreas Maercker, Myriam V. Thoma, Alan Carr

A comparison of the physical and mental health profiles of Swiss older adult survivors of compulsory social measures and/or placements and non-affected control individuals
Myriam V. Thoma, Florence Bernays, Shauna Rohner

Eine doppelte Last – Belastende Kindheitserfahrungen und psychische Störungen als Risikofaktoren für Übergewicht und Adipositas
Inga Schalinski, Thomas Jozefiak, Nikola Stenzel, Susanne Breinlinger, Martin H. Teicher, Brigitte Rockstroh

Fr 11:00 - 12:30

Innovative digitale Behandlungsansätze

N.N.

Der Beginn für eine nachhaltige Implementierung digitaler Interventionen in
der psychotraumatologischen Routineversorgung – eine gesundheitsökonomische
Bedarfsanalyse
Thiemo Knaust, Johannes Müller, Helge Höllmer

Virtuelle Naturumgebungen als postkonfrontative adjuvante Entspannungsintervention in der Psychotraumatologie – Wie stehen die Chancen einer nachhaltigen Implementierung in die Routineversorgung?
Thiemo Knaust, Johannes Müller, Helge Höllmer

Einsatz von „Blended Therapy“ in der Behandlung von akut-traumatisierten
Patient:innen
Marianne Rauwald, Marie Anais Zottnick, Adrian Rauwald

EMPOWER YOUTH – Pilotstudie eines internetbasierten Programmes um Jugendliche und junge Erwachsene mit Fremdunterbringungserfahrung gegen Viktimisierung zu stärken
Betteke Maria van Noort, Laurence Reuter, Birgit Wagner

Fr 11:00 - 12:30

13:30 - 14:10 Preisverleihung und Preisvorträge

Keine Workshops in dieser Sitzung.

14:30 - 16:00 Symposien 2

Neues aus der AG Akutpsychotraumatologie

Peter Schüssler, Peter Liebermann

Struktur und Organisation der Psychosozialen Notfallversorgung in der
Akutphase nach der Flutkatastrophe im Ahrtal
Peter Schüßler, Pascal Koffer, Jörg May, Bianca Groh, Dirk Hewig, Gregor Döge,
Dietmar Breininger

Resilienz und protektiven Faktoren für Einsatzkräfte in der Flutkatastrophe
in Rheinland-Pfalz im Juli 2021
Pascal Koffer, Katja Petrowski, Oliver Tüscher, Annika Rhode, Hauke Felix Wiegand,
Nikolaus Röthke, Ulrike Schmidt, Peter Schüßler

Prozessorientierte Psychosoziale Unterstützung im Gesundheitswesen nach
den Standards von PSU-Akut e.V.
Marion Koll-Krüsmann, Dominik Hinzmann, Jonas Kreitlow, Andreas Igl, Susanne Heininger, Andreas Schießl

Fr 14:30 - 16:00

Akutbetreuung und Notfallversorgung von Kindern und Jugendlichen im Kontext hochbelastender Lebensereignisse

Simon Finkeldei, Harald Karutz

Psychosoziale Notfallversorgung von Kindern – Status Quo und Desiderate
Harald Karutz

Psychosoziale Notfallversorgung von Kindern und deren Bezugssystem – Ergebnisse des Forschungsprojektes “Kurswechsel”
Simon Finkeldei, Susanna Rinne-Wolf

Von der Akuthilfe zur Psychosozialen Notfallversorgung von Kindern – Schnittstellen und Nahtstellen am Beispiel der präklinischen und klinischen Versorgung
Tita Kern, Dominik Hinzmann

Kinder als Angehörige und Besuchende auf Intensivstationen und Notaufnahmen
Maria Brauchle

Fr 14:30 - 16:00

Interventionen für Risikopopulationen mit belastenden Kindheitserfahrungen

Andreas Witt, Miriam Rassenhofer

Häufigkeit und Folgen belastender Kindheitserlebnisse – Ansatzpunkte für
Interventionen
Andreas Witt, Cedric Sachser, Jörg Fegert

STARK – Streit und Trennung meistern: Alltagshilfe, Rat und Konfliktlösung.
Bedarfserhebung, Entwicklung & Umsetzung eines Online-Interventionsangebots
für Trennungskinder
Laura Bieg, Carmen Pfänder, Thorsten Sukale, Jörg Fegert, Miriam Rassenhofer, Thorsten Sukale, Jörg Fegert, Miriam Rassenhofer

Jugendhilfe als Intervention: Ergebnisse der schweizweiten Kohortenstudie
„Jugendhilfeverläufe: Aus Erfahrung Lernen (JAEL)“
David Bürgin, Nils Jenkel, Cyril Boonman, Marc Schmid

„Ankommen“ in der Fremdunterbringung – Erste qualitative Evaluationsergebnisse einer manualisierten Gruppenintervention zur Biographiearbeit im Jugendhilfesetting
Miriam Rassenhofer, Steffen Läntsch, Elisa Pfeiffer, Jörg Fegert, Andreas Witt

Fr 14:30 - 16:00

Stressoren, Risiko- und Schutzfaktoren und psychische Belastung während der COVID-19-Pandemie – Ergebnisse der ESTSS ADJUST Studie

Annett Lotzin, Brigitte Lueger-Schuster

Stressoren, Risiko- und Schutzfaktoren und posttraumatische Stressoren, Risiko- und Schutzfaktoren und posttraumatische Belastungssymptome
während der COVID-19-Pandemie in Europa
Annett Lotzin et al.

Zusammenhänge zwischen COVID-19-bezogenen Stressoren, depressiven
Symptomen und Bewältigungsstrategien. Ein Vergleich zwischen Großstädten
und Kleinstädten in Deutschland
Maria Böttche, Caroline Meyer, Rayan El-Haj-Mohamad, Nadine Stammel, Annett Lotzin, Ingo Schäfer, Christine Knaevelsrud

Gefühle, Gedanken und Herausforderungen in Zeiten der COVID-19 Pandemie –
Eine qualitative Studie
Irina Zrnic, Brigitte Lueger-Schuster, Lucia Verginer

Psychische Belastung und Behandlungserfolg bei stationären Patienten mit
psychischen oder körperlichen Erkrankungen während der COVID-19 Pandemie
Claudia Oppenauer, Juliane Burghardt, Manuel Sprung

 

Fr 14:30 - 16:00

Trauma, -diagnostik und -therapie bei Menschen mit PTSD und geistiger Beeinträchtigung

Birgit Mayer, Ulrich Elbing

Trauma und geistige Beeinträchtigung – eine Studie zur Anwendung der Narrativen Expositionstherapie (NET) bei Menschen mit geistiger oder psychischer Beeinträchtigung
Birgit Mayer

Hinweise auf nicht erkannte komplexe Traumatisierungen bei Menschen mit kogn. Beeinträchtigungen in einem psychologischen / pädagogischen Instrument zur Entwicklungsdiagnostik. Wie sehen solche Profile aus?
Birgit Mayer

Diagnostik und Therapie der PTBS bei Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen: Ergebnisse einer systematischen Reviews
Ulrich Elbing, Birgit Mayer, Kerstin Büngener, Elisabeth Sievert, Ingo Schäfer

 

Fr 14:30 - 16:00

Das Potenzial geschlechter-sensibler Forschung für die Psychotraumatologie

Sinha Engel, Christine Knaevelsrud

Von Geschlechterunterschieden zu geschlechter-sensibler Forschung. Ein
systematisches Review zum Potenzial prospektiver Untersuchungen von
Risiko- und Schutzfaktoren der PTBS
Stephanie Haering, Lars Schulze, Angelika Geiling, Caroline Meyer, Hannah Klusmann,
Sarah Schumacher, Sinha Engel, Christine Knaevelsrud

Gender matters: Welche Erklärungen berichten Männer und Frauen für
Symptome der PTBS?
Caroline Meyer, Louisa Heinzl, Christina Kampisiou, Sofia Triliva, Christine Knaevelsrud, Nadine Stammel

Sexualisierte Gewalt in der künstlerischen Ausbildung: Geschlechtsspezifische
Perspektiven und Präventionsbedarfe
Marina Fischer, Susanne Veit, Pichit Buspavanich, Gertraud Stadler

Traumatische Kindheitserfahrungen als Risikofaktor für PTBS Symptome und
Stresserleben nach einer unbeabsichtigten Schwangerschaft – Ein Studiendesign
Meike Katharine Blecker, Hannah Klusmann, Sinha Engel, Stephanie Haering,
Sarah Schumacher, Christine Knaevelsrud

Fr 14:30 - 16:00

Psychotraumatologie 2.0: Von der digitalen Erfassung von Suizidalität und Dissoziation zur virtuellen Traumatherapie

Birgit Kleim

Validierung visueller und auditorischer digitaler Marker von Suizidalität aus klinischen Interviews mit akut suizidalen Patienten
Stephanie Homan, Anzaar Abbas, Hanne Scheerer, Michael Colla, Stefan Vetter, Erich Seifritz, Isaac Galatzer-Levy, Birgit Kleim

Digitales Monitoring des Therapieverlaufs bei Patient:innen mit PTSD im stationären Setting: erste Ergebnisse und Erfahrungsberichte
Bastian Schmiederer, Gerhard Rumpold, Astrid Lampe

Internetbasierte Behandlung von Depressionen bei traumatisierten Menschen der MENA-Region
Maria Böttche, Christine Knaevelsrud, Rayan El-Haj-Mohamad, Max Vöhringer, Jana Stein, Nadine Stammel, Birgit Wagner

Wirksamkeit und therapeutische Potentiale von Virtual-Reality-Therapy bei posttraumatischer Belastungsstörung
Oswald Kothgassner, Paul Plener

Fr 14:30 - 16:00

Chancen und Herausforderungen bei der Implementierung einer niederschwelligen, psychologischen Intervention für Geflüchtete in der Schweiz

Naser Morina, Julia Spaaij

Die Situation und Zugangsbarrieren zu der psychotherapeutischen Versorgung
für die Geflüchteten in der Schweiz – am Beispiel der syrischen Geflüchteten
Nikolai Kiselev

Resultate einer RCT-Pilotstudie zur Umsetzbarkeit und Akzeptanz von Problem
Management Plus bei syrischen Geflüchteten in der Schweiz
Naser Morina

Die Implementierung einer Sensibilisierungskampagne, systematischen Screenings zur psychischen Gesundheit und der niederschwelligen Intervention PM+
für Geflüchtete – Eine qualitative Studie
Julia Spaaij

Fr 14:30 - 16:00

Suizidalität und Trauma-Perspektiven der Betroffenen und Hinterbliebenen

Birgit Wagner, Heide Glaesmer

Suizidgedanken bei neuankommenden Geflüchteten in Deutschland
Yuriy Nesterko, Elisa Haase, Antje Schönfelder, Heide Glaesmer

Der Zusammenhang zwischen Missbrauchserfahrungen in der Kindheit und den
Komponenten der Interpersonalen Theorie suizidalen Verhaltens: Eine Netzwerkanalyse
Heide Glaesmer, Antje Schönfelder, Dajana Rath, Thomas Forkmann, Laura Paashaus, Katarina Stengler, Luise Lucht, Tobias Teismann, G. Juckel

Psychologische Autopsie-Interviews mit Angehörigen nach dem Suizid einer
männlichen Person
Laura Hofmann, Birgit Wagner

Webbasierte Gruppenintervention für Hinterbliebene nach einem Suizid: Ergebnisse einer randomisierten Kontrollgruppenstudie
Birgit Wagner, Raphaela Grafiadeli, Laura Hofmann

Fr 14:30 - 16:00

Digitale Interventionen für Stress- und Traumafolgeerkrankungen

N.N.

»online-Schreib-Trauma-Therapie (oSTT)«
Ruth Schmidt, Patrick Lorenz, Maria Böttche, Julia Schellong

Virtual Reality Expositionstherapie bei Post-traumatischer Belastungsstörung – Ein meta-analytischer Überblick zum Stand der Forschung
Oswald Kothgassner, Paul Plener, Andreas Goreis

Computer vision and voice analysis for diagnostic assessment of PTSD, depression and burnout in emergency department clinicians
Katharina Schultebraucks

Ruf‘ doch die Nummer gegen Kummer an – Herausforderungen in der traumasensiblen Forschung zu sexualisierter Gewalt bei tauben und schwerhörigen Jugendlichen
Eva Hartmann, Dennis Oberleiter, Malte Schott, Katharina Urbann, Laura Avemarie

Fr 14:30 - 16:00

Sichere Übergänge gestalten – aktuelle traumapädagogische Entwicklungen in verschiedenen psychosozialen Handlungsfeldern

Marc Schmid, Lucas Maissen

Traumapädagogische Abklärung und Verlaufsdokumentation in Frühbereichsheimen
Manuela Gärtner, Petra Wallnöfer, Marc Schmid

Resilience play: Resilienzförderung für Mütter und Kinder im Frauenhaus
Bettina Breymaier

Sichere Orte auf Zeit – Traumapädagogik im Übergangssetting
Lucas Maissen

Vicious Circles – Beziehungsabbrüche und psychische Belastung – Ergebnisse der
JAEL Längsschnittstudie
Marc Schmid

Fr 14:30 - 16:00

16:30 - 18:00 Vorträge, Keynote Speaker

Machine Learning and the Digital Measurement of Psychological Health

Isaac Galatzer-Levy

Since its inception, the discipline of psychology has utilized empirical epistemology and mathematical methodologies to infer psychological functioning from direct observation. As new challenges and technological opportunities emerge, scientists are once again defining measurement paradigms for psychological health and illness to solve novel problems and capitalize on new technological opportunities. The current keynote discuss the theoretical foundations and scientific advances in remote sensor technology and machine learning models as they are applied to quantify psychological functioning and draw clinical inferences. We will present examples across different disorders and risk profiles including posttraumatic stress, depression, and suicide risk.

 

Fr 16:30 - 18:00

Von Innovation zur Implementierung – Zwanzig Jahre digitale PTBS-Interventionen

Christine Knaevelsrud

Die ersten Publikationen zu internetbasierten Behandlungsmöglichkeiten der Posttraumatischen Belastungsstörung erschienen Ende der 1990er Jahre. Neben den allgemeinen Vorteilen internet- und mobilbasierter Interventionen (IMIs), wie der geografischen und zeitlichen Unabhängigkeit, erleichtert insbesondere die visuelle Anonymität Patienten mit PTBS aufgrund häufig ausgeprägter Scham- und Schuldgefühle den Zugang zu psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten. Im Rahmen des Vortrages wird ein Überblick über das Behandlungsspektrum und den aktuellen Stand der Wirksamkeit von IMIs zur Behandlung der PTBS gegeben. Es wird auf Indikationen und Kontraindikationen bzw. Nebenwirkungen eingegangen sowie die Bedeutung der therapeutischen Beziehung thematisiert. Ein besonderer Fokus soll auf Behandlungsmöglichkeiten von sogenannten „hard-to-reach-groups“ wie z.B. Menschen in Krisenregionen liegen. Der Vortrag endet mit einem Überblick zur Versorgung und der Frage, inwieweit digitale Interventionsmöglichkeiten im Versorgungsalltag bereits angekommen sind.

Fr 16:30 - 18:00

18:15 - 19:30 DeGPT-Mitgliederversammlung

DeGPT-Mitgliederversammlung

18.15 Uhr
DeGPT-Mitgliederversammlung 

Fr 18:15 - 19:30

20:00 - 23:00 Tagungsfest

Tagungsfest

Museum für Gestaltung Zürich
Kosten: 80 CHF pro Person
Verbindliche Anmeldung erforderlich
weitere Informationen unter dem Menüpunkt Rahmenprogramm

Fr 20:00 - 23:00

Samstag 18 Feb 2023

9:00 - 10:30 Vorträge, Keynote Speaker

Historische Traumata: Definitionen, Forschungen und Anwendungen zu einer neuen Konzeption

Andreas Maercker

Hintergrund: Um das Jahr 2000 wurde das Konzept des «Historischen Traumas» von der indigenen Sozialwissenschaftlerin Yellow Horse Brave Heart geprägt. Nach ihrer Definition sind «historische Traumata» kollektiv erlebte Ereignisse mit Tod(esdrohungen), Gräueltaten und Verfolgung, bei denen die Betroffenen oder deren Folgegenerationen unter struktureller Benachteiligung, Ausgrenzung und Rassismus leiden und die sich in psychosozialen Phänomenen wie Vertrauensverlust, Verbitterung, Substanzmissbrauch und Gewalt niederschlagen. Es gibt bisher keine vergleichende Untersuchung zu diesem Konzept über verschiedene länger oder kürzer zurückliegende historische Traumata des 19. und 20. Jahrhunderts.

Methode: Im Rahmen meines Buchprojekts zum Thema untersuche ich die amerikanische Indigene, Holocaust-Nachfolgegenerationen, Black Americans, ruandische und kambodschanische Genozid-Überlebende, Opfer Stalinistischer Repression, italienische Mafiaopfer anhand von Forschungsbefunden und klinischen Beschreibungen.

Ergebnisse: Manche psychosoziale Phänomene finden sich übergreifend, wie der Vertrauensverlust. Andere sind eher spezifisch, wie z.B. die transgenerationale Weitergabe von «Überlebensbotschaften». Im Bereich von Therapie-programmen gibt es vereinzelte gemeinschaftsbasierten Interventionen, in denen Jugendlichen eine positive Gruppenidentität und sozialökonomische Kompetenzen sowie allen Altersgruppen narrative Kompetenzen und Empowerment vermittelt werden.

Schlussfolgerung: Mein Vortrag soll Anregungen vermitteln, wie die in indigenen und gesellschaftlichen ausgegrenzten Gruppen gewonnenen Einsichten und Kenntnisse für die Weiterentwicklung der Psychotraumatologie genutzt werden können.

Sa 9:00 - 10:30

Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung mit Imagery Rescripting

Regina Steil

Imagery Recripting ist eine traumafokussierte Psychotherapie der Posttraumatischen Belastungsstörung, die ohne formale Konfrontation mit den traumatischen Erinnerungen auskommt. Nach einer Psychoedukation über die PTBS und die Behandlungsmethode und einem optionalen Training der Patienten in der Bewältigung starker negativer Emotionen und der Reduktion von Dissoziation werden die Patienten gebeten, in Bezug auf belastende Traumaerinnerungen jeweils in der Vorstellung an den Punkt zu gehen, an dem sie wissen, dass das Schlimmste nun passieren wird. Die Patienten erhalten dann die Möglichkeit, das Geschehene so zu verändern, dass sich ein anderer, weniger belastender Ausgang ergibt und in der damaligen Situation vorhandene Bedürfnisse nach Sicherheit, Kontrolle, Trost und Schutz in der Vorstellung gestillt werden. Der Therapeut kann in der Vorstellung in die Szene eintreten um den Patienten zu schützen und die Täter zu konfrontieren, oder der erwachsene Patient kann sich selbst als Kind zur Hilfe kommen. Für Imagery Rescripting liegen seit kurzer Zeit exzellente empirische Befunde für die Wirksamkeit vor. Die Intervention wird idiosynkratisch an den jeweiligen Patienten angepasst und eignet sich daher sehr gut dafür, kulturelle oder sonstige Besonderheiten in der Behandlung zu berücksichtigen. Am Beispiel der Behandlung von Menschen, die vor Krieg, Bürgerkrieg und Verfolgung geflohen sind, wird die Vorgehensweise dargestellt, eine Überblick über Befunde zur Wirksamkeit wird gegeben. 

Sa 9:00 - 10:30

11:00 - 12:30 Symposien 3 / Workshops / Vorträge

Versorgung traumatisierter Geflüchteter: Herausforderungen und digitale Lösungsansätze für Akteure im Hilfesystem

Elisa Pfeiffer

Digitales Screening von traumatischen Ereignissen und psychischer Belastung
mit unbegleiteten jungen Geflüchteten: Eine Analyse von Belastungsfaktoren
Maike Garbade, Jenny Eglinsky, Cedric Sachser, Elisa Pfeiffer

Erkennen und Reagieren auf psychische Belastungen bei traumatisierten unbegleiteten jungen Geflüchteten in der Jugendhilfe
Fabienne Hornfeck, Clara Sowade, Heinz Kindler

Berufsbezogene Lebensqualität von Jugendhilfemitarbeitern die mit traumatisierten unbegleiteten jungen Geflüchteten arbeiten
Jenny Eglinsky, Maike Garbade, Elisa Pfeiffer, Cedric Sachser

Entwicklung, Implementierung und Evaluation einer für die trauma-fokussierten
kognitiven Verhaltenstherapie spezifischen Online-Schulung für Sprachmittler
Monja Lucia Herold, Barbara Kasparik, Laura Saupe, Jonathan Thielemann,
Johanna Unterhitzenberger, Rita Rosner, Lauritz Rudolf Floribert Müller

Sa 11:00 - 12:30

Neue Entwicklungen in Diagnostik und Behandlung der PTBS

Meike Müller-Engelmann

Ein klinisches Interview zur Diagnostik der Komplexen Posttraumatischen
Belastungsstörung nach ICD-11: Complex PTSD Item Set additional to the CAPS
(COPIS AC)
Franziska Lechner-Meichsner, Regina Steil

Kognitive Techniken und Metta-Meditationen (K-METTA) zur Reduktion traumabezogener Schuld- und Schamgefühle: Theoretischer Hintergrund und Vorstellung des Behandlungsmanuals anhand von Fallbeispielen
Meike Müller-Engelmann, Stella Kümmerle

Kognitive Techniken und Metta-Meditationen (K-METTA) zur Reduktion traumabezogener Schuld- und Schamgefühle: Studiendesign und Ergebnisse einer randomisiert kontrollierten Pilotstudie
Stella Kümmerle, Meike Müller-Engelmann

Dissemination evidenzbasierter Interventionen für Kinder und Jugendliche, die
Misshandlung und Vernachlässigung erlebt haben, in die ambulante Versorgung –
das BESTFORCAN Projekt
Anna Fischer, Franziska Lechner-Meichsner, Regina Steil

Sa 11:00 - 12:30

First Person Perspective: Die Rolle persönlicher Perspektiven in der Behandlung

Bettina Berger

First Person perspective als Zugang zu traumatischen Hintergründen
eines Typ 1 Diabetes: Einzelfallstudie
Bettina Berger, David Martin

“Mein Gehirn bleibt stehen und ich bin vollkommen blockiert”
Jennifer Schieß-Jokanovic, Viktoria Kantor, Matthias Knefel, Dina Weindl,
Brigitte Lueger-Schuster

Die Einflüsse von interpersoneller Gewalt auf Sexualität und Partnerschaft bei Patient:innen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung
Sarah Biedermann

Behandlung von Traumafolgestörungen im Alter: Narrative Expositionstherapie vs. Present-Centered Therapy
Jeannette Lely, Rolf Kleber

Sa 11:00 - 12:30

Die Bedeutung von Schule und Unterricht für die Bewältigung von Krisen und Traumata

Harald Karutz, Corinna Posingies

Sollten Schulen als „Kritische Infrastruktur“ betrachtet werden?
Harald Karutz

Traumata im Schulalltag: Herausforderungen für Lehrkräfte
Corinna Posingies

Leitlinien für traumasensiblen Unterricht
Harald Karutz

Resilienz von Schülerinnen und Schülern: Was sind erforderliche Kompetenzen?
Und wie lässt sich kindgerechte Notfallvorsorge verbessern?
Johanne Kaufmann

Sa 11:00 - 12:30

Dissoziative Identitätsstörung in der IC D-11: Diagnostik, Evidenz, Stigmatisierung, Neurobiologie und Verbindungen zu schweren Gewaltformen

Jan Gysi, Ursula Gast

Herausforderungen in der Diagnostik der DIS , der partiellen DIS sowie der
imitierten DIS
Jan Gysi

Evidenz, Stigma und Tabu in der Kontroverse um die Dissoziative Identitätsstörung
Ursula Gast

Die Neurobiologie Dissoziativer Störungen – Ein Update zum Theorie-Forschungs-Gap
Yoki L. Mertens

Die Dissoziative Identitätsstörung und organisierte sexualisierte Gewaltformen
Susanne Nick

Sa 11:00 - 12:30

Herausforderungen und innovative Problemlösung für die Behandlung von Traumaüberlebenden im stationären Bereich und der Routineversorgung

N.N.

„Warum finde ich keinen Traumatherapieplatz?“ – Erkenntnisse über die Bereitschaft von Psychotherapeut*innen in Deutschland traumaspezifische Therapien durchzuführen
Katharina Goßmann, Rita Rosner, Antonia Barke

Wie können neue Forschungsergebnisse, Diagnostik, Behandlungsansätze und digitale Tools im Arbeitsalltag einer Traumatherapiestation für Frauen einer akutpsychiatrischen Klinik angewendet werden?
Georgia Wendling-Platz

Patient Familie – welche Möglichkeiten bietet die gleichzeitige Behandlung von
Eltern und Kindern mit Traumafolgestörungen?
Martin Sack, Franziska Huber, Luciana Wesemann

Existentielle Psychotraumatherapie – Kernfragen des Daseins in der therapeutischen Praxis. Neuer Ansatz oder alter Wein in neuen Schläuchen?
Helmut Rießbeck

Sa 11:00 - 12:30

Workshop: Methoden zur bindungsfokussierten Fallsupervision für traumatisierte Kinder, Jugendliche wie auch belastete Systeme

Elsbeth Ball, Carmelo Campanello, Christina Kohli

Die Kinder und Jugendlichen, welche wir in unseren Arbeitskontexten antreffen, haben oft schon sehr vieles (üb)erlebt. Nicht wenige leiden an komplexen Traumafolgestörungen.
Ihre irritierenden bis zerstörerischen Verhaltensweisen machen es uns oft nicht einfach, sie zu verstehen, wir laufen Gefahr, uns durch sie fehlleiten zu lassen.
Eine stärkere Fokussierung auf die primären Beziehungserfahrungen dieser Kinder und Jugendlichen ermöglicht es, die irritierenden Verhaltensweisen als überlebenswichtige Anpassungsleistungen zu erkennen und entsprechend auch pädagogische Interventionen abzuleiten. Entsprechend wichtig ist es, die gewonnenen Erkenntnisse auch den künftigen Bezugspersonen der Kinder und Jugendlichen zur Verfügung zu stellen.
In diesem Workshop wird in einem ersten Schritt anhand von Fallbeispielen eine bindungsfokussierte, traumasensible Fallsupervisionsmethodik vorgestellt. In einem zweiten Schritt dann der Doppelte Rahmen 2.0, ein Modell für die Zusammenarbeit von Fachleuten der Kinder- & Jugendhilfe. Dieses ist darauf ausgerichtet, gemeinsam nachhaltige Kooperationen und Perspektiven mit sehr anspruchsvollen Klienten und Familiensystemen zu entwickeln.

Literatur
Gahleitner, S. (2020). Professionelle Beziehungsgestaltung in der psychosozialen Arbeit und Beratung. Tübingen: dgvt-Verlag.
Doppelter Rahmen 2.0
https://www.burghof.org/media/integras_doppelter_rahmen_2.0_fuer_systemspre

Sa 11:00 - 12:30

Workshop: RECHARGE: ein psychologisches Kurzprogramm für Gesundheitsfachpersonen

Naser Morina

Gesundheitsfachpersonen stehen unter einer hohen Arbeitsbelastung. Damit können zusätzliche Stressoren wie Teamkonflikte, schwierige Behandlungssituationen, eine einseitige Work-Life-Balance oder familiäre Sorgen einhergehen. Auch die gegenwärtige SARS-CoV-2-Pandemie und die damit verbundenen Massnahmen stellen teilweise eine grosse Herausforderung dar. All dies kann sich negativ auf das Wohlbefinden, die Arbeitszufriedenheit und das Familienleben auswirken.
Im Rahmen des Workshops wird eine vom Universitätsspital Zürich und der Universität Zürich evaluierte Kurzintervention – RECHARGE – zur Bewältigung von Stress bei Gesundheitsfachpersonen, präsentiert. RECHARGE ist eine u.a. auf COVID-19 ausgerichtete, an Gesundheitsfachpersonen angepasste Stressintervention der WHO. Die Intervention ist ein evidenzbasiertes kurzes, flexibles, leicht skalierbares, vollständig online verfügbares psychologisches Programm, bestehend aus 4 Sitzungen à 60 Minuten. Das Ziel von RECHARGE ist das Erlernen effektiver Strategien des Stressmanagements, ein optimaler Umgang mit emotionalen und praktischen Herausforderungen im beruflichen und privaten Alltag und dadurch eine Steigerung der Resilienz.
Im Workshop werden erste Ergebnisse des durchgeführten RCT mit 160 Gesundheitsfachpersonen präsentiert. Die RECHARGE-Teilnehmer zeigen nach der Intervention zu allen Zeitpunkten signifikant weniger Symptome und können besser mit der Arbeitsbelastung umgehen. Anschliessend werden die psychologische Intervention RECHARGE und die einzelnen Strategien (Stressmanagement, Umgang mit Sorgen, sinnvolle Aktivitäten) beschrieben und deren praktische Anwendung mit den Teilnehmern geübt. 

Sa 11:00 - 12:30
20 max

Workshop: Einflussnahme des Dritten Raumes auf Beziehungs- und Prozessgestaltung in der Kunsttherapie

Judith Zink

Für die therapeutische Arbeit mit traumatisierten Menschen erweist sich der Einbezug des sogenannt dritten Raumes, welcher auf Bild- Werk und Imaginationsebene als Projektionsfläche für verschiedenste Aspekte dient, als besonders unterstützend. Der Einbezug dieses dritten Raumes entlastet die zwischenmenschliche Beziehung. Die kunsttherapeutische Arbeit im dritten Raum ermöglicht, mit Abgespaltenem in Kontakt zu kommen, Neues zu wagen und Selbstwirksamkeit zu erleben.
Es wurde versucht, die verschiedenen Qualitäten des Zugangs zu kreativen Ressourcen, Beziehungs- und Verhaltensweisen im dritten Raum in sechs herausgearbeitete "Gestaltungscharakteren" einzuteilen. Das Ziel ist, Orientierungshilfe für kunsttherapeutische Prozesse und konkrete Einblicke in der praktischen Umsetzung zu geben.
Die Perfektionisten
Die Gruppe der Perfektionisten kompensiert ihr niedriges Selbstwertgefühl mit hohem Leistungsanspruch. Die auf Perfektion ausgerichteten Vorstellungen kommen auf verschiedenen Ebenen zum Ausdruck.
Die Grenzenlosen/sich Verlierenden
In den Bildern der Grenzenlosen zeigen sich charakteristische Gestaltungs- und Ausdrucksweisen. Diese Menschen brauchen Präsenz und Kontrolle unterstützenden Rahmen, sowie Struktur und Orientierung gebende gestalterische Techniken.
Die Hyperaktiven
Die Angst vor Gefühlen und Leere erschweren den Hyperaktiven Vertiefung und Hingabe. Verschiedene gestalterische Interventionen ermöglichen den Betroffenen, Freude am künstlerischen Schaffen zu entwickeln.
Die Blockierten
Die Gruppe der Blockierten hat wenig Zugang zu Emotionen und Bedürfnissen. Die Balance zwischen Förderung der Selbstakzeptanz und dem Initiieren von Schritten ins Vermeidungsland sind hier zentral.
Die Autonomen
Die Überlebensstrategie der Autonomen ist Vermeidung von Abhängigkeit und Schwäche. Es zeigen sich Unverbindlichkeit, Misstrauen und ein starkes Unabhängigkeitsstreben.
Die Angepassten
Bei dieser Gruppe ist die Ausrichtung auf das Wohl der anderen auf Kosten des Selbstkontaktes, das Wahrnehmen eigener Grenzen und Willensimpulse. Spannungen im Raum können zu Auslösern für Schuldgefühle, Anspannung und Dissoziation führen.

Literatur
Peter Sinapius, Annika Niemann: Das Dritte in Kunst und Therapie, Peter Lang Verlag, 2011
Luise Reddemann, Imagination als heilsame Kraft, Klett Verlag, sechste Auflage, 2002
Von Spreti, Martius, Förstl: Kunsttherapie bei psychischen Störungen, Urban und Fischer Verlag, zweite Auflage, 2012

Sa 11:00 - 12:30
15 max

13:15 - 14:00 Postersession 2

Postersession 2

Poster 13
„Ich warte seit 10 Jahren darauf mein Leben zu beginnen” – Subjektiv wahrgenommene Probleme afghanischer Geflüchteter in Österreich
Dina Weindl, Viktoria Kantor, Matthias Knefel, Jennifer Schieß-Jokanovic, Brigitte Lueger-Schuster

Poster 14
Risikoprofile für Depressions- und Angstsymptome während der COVID-19 Pandemie
Laura Kenntemich, Leonie von Hülsen, Ingo Schäfer, Maria Böttche, Annett Lotzin

Poster 15
Geschlechtsspezifische Unterschiede in den Zusammenhängen zwischen Risiko- und Schutzfaktoren, Stressoren und klinischen Symptomen während der COVID-19-Pandemie in Deutschland
Leonie von Hülsen, Laura Kenntemich, Ingo Schäfer, Maria Böttche, Brigitte Lueger-Schuster, Jürgen Gallinat, Annett Lotzin

Poster 16
Trauma und Essstörungen – Besonderheiten in der Behandlung komorbider Symptomatik
Janina Werz

Poster 17
Alienation mediates the prediction of social support on the intensity of post-traumatic stress symptoms
Thomas Schnell, Vanessa Hoffmann, Sandra Miethe-Kolkenbrock, Gesa Pust, Roland Weierstall-Pust

Poster 18
Die Rolle des Lachens für die psychische/körperliche Gesundheit nach der Fukushima-Katastrophe
Misari Oe

Poster 19
Die wahrgenommene Reaktion Anderer nach einem traumatischen Ereignis: Untersuchung eines Aspekts des kognitiven Modells der PTBS bei Kindern und Jugendlichen
Rebekka Eilers, Rita Rosner, Cedric Sachser

Poster 20
Im Fall des Undenkbaren: Angebot der Opferbeauftragten am Beispiel Baden-Württemberg
Jana Denkinger

Poster 21
Die Wirksamkeit der sprachreduzierten Traumastabilisierungsgruppe für Geflüchtete
Anna Elisabeth Wolff, Markus Schaer, Bettina Böhm, Elif Kirmizi-Alsan, Helmut Rießbeck

Poster 22
Wirksamkeit des suchtsensiblen Traumabehandlungskonzeptes S.T.A.R.K. für stationäre Behandlungen
Louisa Lorenz, Klaudia Perret, Thomas Lüddeckens, Susanne Leiberg

Poster 23
„I can‘t think straight anymore“ – Prevalence, types and linked stress experiences of cybersexual violence against deaf and hard-of-hearing adolescents
Dennis Oberleiter, Eva Hartmann, Malte Schott, Laura Avemarie, Katharina Urbann

Poster 24
Digitale Vernetzung von Traumatherapeut:innen –“trauma.help“ als Beitrag zu einer besseren Versorgung
Nicole Szesny-Mahlau, Dennis Diatel, Rima Eberle-Serijari, Patrick Fornaro, Eline Rimane, Johanna Unterhitzenberger, Lisa Unterhitzenberger, Nora Wunderlich

Sa 13:15 - 14:00

14:15 - 15:45 Symposien 4 / Workshops / Vorträge

Sexuelle Gewalt und digitale Medien

Miriam Rassenhofer, Jelena Gerke

Prävalenz digitaler sexueller Gewalt – Betroffene und Täter:innen
Jelena Gerke, Kathrin Lipke, Jörg M. Fegert, Miriam Rassenhofer

Projekt HilfT – Versorgung nach digitaler sexueller Gewalt in OEG-Traumaambulanzen für Kinder und Jugendliche
Isabella Flatten-Whitehead, Mark Giesmann, Julia Schellong, Ingo Schäfer, Miriam Rassenhofer

Gewalt online? Hilfe online!
Tanja von Bodelschwingh

Sa 14:15 - 15:45

Gruppentherapie bei komplexer PTBS (ICD-11)

Archontula Karameros, Helmut Riessbeck

Gruppen bei komplexen Traumafolgestörungen
Helmut Riessbeck, Achontula Karameros

Die (neue) Gruppenversion des Komplex-PTBS-Programms »STAIR/NT« Behandlung mit STAIR (Skills-Training zur Affektiven und interpersonellen Regulation) im Gruppenformat – Befunde bei Patientinnen
Janina Borowski

Ergebnisse zur Organisation und Umsetzung der Gruppentherapie bei komplexer PTBS in der eigenen ambulanten Psychotherapiepraxis
Cord Neubersch

Zusammenfassung und Ausblick: Wie kann die Versorgung der Gruppentherapie bei der komplexen PTBS verbessert werden?
Archontula Karameros

 

Sa 14:15 - 15:45

Smartphone-basierte Evaluation und Feedback in der Traumatherapie: Was kann eine App für die Traumatherapie leisten und wie sollte diese aussehen?

Birgit Kleim, Astrid Lampe

Panel und Diskussionsplattform
Birgit Kleim
Astrid Lampe
Maria Böttche
Meike Müller-Engelmann

Sa 14:15 - 15:45

Komplexe Behandlung Geflüchteter: Vom qualitativen Verständnis zur intergenerationalen Perspektive

N.N.

Geflüchtete Kleinst- und Kleinkinder mit psychischen Belastungssymptomen –
Behandlung mit der integrativen bindungsorientierten Traumatherapie IBT
Meike Nitschke-Janssen, Katrin Boger

Eine transdiagnostische Kurzintervention für afghanische Geflüchtete in
Österreich: Subjektive Erfahrungen der Teilnehmer*innen und Expertenmeinungen
Dina Weindl, Viktoria Kantor, Matthias Knefel, Jennifer Schieß-Jokanovic, Brigitte Lueger-Schuster

Anwendung der Traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie (TF-KVT) bei unbegleiteten geflüchteten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Praxis
Veronica Kirsch

Intergenerationaler Traumatransfer bei eritreischen asylsuchenden Müttern:
Die Rolle der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung
Rahel Bachem, Yafit Levin, Kim Yuval, Amit Bernstein, Zahava Solomon

Sa 14:15 - 15:45

Sexueller Kindsmissbrauch in digitalen Medien: Erkenntnisse aus staatsanwaltschaftlicher, psychotraumatologischer und kriminologischer Perspektive

Jan Gysi, Rita Steffes-enn

Neue Entwicklungen zu bildbasierter sexualisierter Gewalt, und Herausforderungen für Ermittlungsbehörden
Mireille Lambelet

Die Täter:innen: wer sind sie, wie gehen sie vor?
Rita Steffes-enn

Die Opfer: wer sind sie, welche Symptome zeigen sie? Traumafolgen und Täterloyalität
Jan Gysi

Psychische Belastung für Ermittler:innen von bildbasierter sexualisierter Gewalt
an Kindern
Steffen Theel

Sa 14:15 - 15:45

Neuronale, psychophysiologische und behaviorale Korrelate dissoziativer Zustände bei Personen mit Posttraumatischer Belastungsstörung

Inga Schalinski, Yoki Linn Mertens, Sarah K. Danböck, Sarah Beutler

Neuronale Korrelate akuter posttraumatischer Dissoziation – Befunde einer fMRT Script-driven Imagery Studie
Yoki Linn Mertens, Judith Daniels, Antje Manthey, Anika Sierk, Henrik Walter

Fronto-limbische funktionelle Konnektivität während Ketamin-induzierter Dissoziation bei Personen mit Posttraumatischer Belastungsstörung
Sarah K. Danböck, Or Duek, Ziv Ben-Zion, Nachshon Korem, Shelley L. Amen,
Ben Kelmendi, Frank H. Wilhelm, Ifat Levy, Ilan Harpaz-Rotem

Erfassung spontaner Dissoziation im stationären Alltag – Untersuchung zu
assoziierter Herzrate und Herzratenvariabilität
Sarah Beutler, Julia Schellong, Kerstin Weidner, Judith Daniels, Ilona Croy

Behaviorale, psychophysiologische, und subjektive Korrelate akuter
Dissoziation während Traumaexposition bei Personen mit Posttraumatischer Belastungsstörung
Sarah K. Danböck, Michael Liedlgruber, Laila K. Franke, Stephan F. Miedl, Frank H. Wilhelm, Rainer-Christian Weber

Können Schmerzen nach einer (analogen) Traumatisierung als konditionierte Intrusionen persistieren? Ergebnisse einer experimentellen fMRT-Studie
Laila Franke, Stephan Miedl, Sarah Danböck, Markus Grill, Michael Liedlgruber,
Martin Kronbichler, Herta Flor, Frank Wilhelm

Sa 14:15 - 15:45

Workshop: Kurztherapie für PatientInnen nach Suizidversuch aus einer Traumaperspektive

Anja Gysin-Maillart

Viele Menschen mit Traumatisierungen in ihrer Lebensgeschichte berichten von suizidalem Erleben und Verhalten. Nach einem Suizidversuch ist das Risiko für einen späteren Suizid um ein Vielfaches erhöht. Die Behandlung kann dabei herausfordernd sein. Dies weil sich viele Behandler:Innen mit der Komplexität des Störungsbildes überfordert fühlen. Das Attempted Suicide Short Intervention Program (ASSIP) ist eine Kurztherapie für Patient:innen nach Suizidversuch. Es vereint Aspekte der kognitiven Verhaltenstherapie, der Bindungs- und der Handlungstheorie. In einer 24-monatigen randomisierten kontrollierten Verlaufsstudie konnte gezeigt werden, dass ASSIP das Risiko für suizidale Handlungen um annähernd 80 % verringert. Innerhalb 3-4 Sitzungen werden die Hintergründe der suizidalen Krise geklärt, wichtige individuelle Warnzeichen und ein persönlicher Krisenplan für den Fall einer erneuten suizidalen Krise erarbeitet. Dabei wird eine tragende therapeutische Beziehung, als wichtigster präventiver Faktor, aufgebaut und durch ein anhaltendes Briefangebot aufrechterhalten.

In diesem Workshop werden die wichtigsten theoretischen Konzepte von ASSIP aus einer Traumaperspektive vorgestellt. Weiter wird den Workshop-Teilnehmer:innen anhand von kurzen Videobeispielen, Rollenspielen und Fallbeispielen, einschließlich Elementen der aktiven Beteiligung, ein Überblick über die einzelnen Elemente der ASSIP Kurztherapie vermittelt.

Sa 14:15 - 15:45
30 max

Vortrag: Development of (early) interventions to tackle intrusive memories and posttraumatic stress disorder following childbirth

Antje Horsch

Approximately one third of women perceive their childbirth as traumatic and some may as a consequence develop childbirth-related posttraumatic stress disorder (CB-PTSD). In community samples, CB-PTSD affects between 3–4 % of women after birth and around 16–19 % of women in high-risk groups, e.g., emergency cesarean section. Intrusive traumatic memories are repeated, involuntary and distressing sensory-perceptual fragments of a trauma memory. They are a core symptom of PTSD, as they drive other PTSD symptoms and prevent the normative decay of trauma memories. Targeting them may thus be an effective strategy to tackle PTSD symptoms. Evidence-based (early) interventions to reduce maternal intrusive traumatic memories to prevent the development of CB-PTSD, and thus the transfer of trauma-related consequences onto the future generation are lacking. Furthermore, currently available treatments for established CB-PTSD, such as exposure therapy, do not necessarily prevent the return of the trauma-linked fear response. Indeed, extinction is thought to produce a new memory trace inhibiting the original fear memory, which still exists and can thus resurface. This talk will describe some innovative theory-driven approaches assumed to directly target the original maladaptive memories, based on memory consolidation and reconsolidation processes. Results from several translational clinical studies from our lab testing a single-session behavioural intervention to reduce childbirth-related intrusive traumatic memories and in turn either prevent CB-PTSD symptoms or reduce established CB-PTSD symptoms will be shown. They represent potential first steps in the development of a brief, single-session, (early) intervention for CB-PTSD.

Sa 14:15 - 15:45

Workshop: Methoden zur bindungsfokussierten Fallsupervision für traumatisierte Kinder, Jugendliche wie auch belastete Systeme

Elsbeth Ball, Carmelo Campanello, Christina Kohli

Die Kinder und Jugendlichen, welche wir in unseren Arbeitskontexten antreffen, haben oft schon sehr vieles (üb)erlebt. Nicht wenige leiden an komplexen Traumafolgestörungen.
Ihre irritierenden bis zerstörerischen Verhaltensweisen machen es uns oft nicht einfach, sie zu verstehen, wir laufen Gefahr, uns durch sie fehlleiten zu lassen.
Eine stärkere Fokussierung auf die primären Beziehungserfahrungen dieser Kinder und Jugendlichen ermöglicht es, die irritierenden Verhaltensweisen als überlebenswichtige Anpassungsleistungen zu erkennen und entsprechend auch pädagogische Interventionen abzuleiten. Entsprechend wichtig ist es, die gewonnenen Erkenntnisse auch den künftigen Bezugspersonen der Kinder und Jugendlichen zur Verfügung zu stellen.
In diesem Workshop wird in einem ersten Schritt anhand von Fallbeispielen eine bindungsfokussierte, traumasensible Fallsupervisionsmethodik vorgestellt. In einem zweiten Schritt dann der Doppelte Rahmen 2.0, ein Modell für die Zusammenarbeit von Fachleuten der Kinder- & Jugendhilfe. Dieses ist darauf ausgerichtet, gemeinsam nachhaltige Kooperationen und Perspektiven mit sehr anspruchsvollen Klienten und Familiensystemen zu entwickeln.

Literatur
Gahleitner, S. (2020). Professionelle Beziehungsgestaltung in der psychosozialen Arbeit und Beratung. Tübingen: dgvt-Verlag.
Doppelter Rahmen 2.0
https://www.burghof.org/media/integras_doppelter_rahmen_2.0_fuer_systemsprengerinnen_2021.pdf

Sa 14:15 - 15:45

Workshop: Einflussnahme des Dritten Raumes auf Beziehungs- und Prozessgestaltung in der Kunsttherapie

Judith Zink

Für die therapeutische Arbeit mit traumatisierten Menschen erweist sich der Einbezug des sogenannt dritten Raumes, welcher auf Bild- Werk und Imaginationsebene als Projektionsfläche für verschiedenste Aspekte dient, als besonders unterstützend. Der Einbezug dieses dritten Raumes entlastet die zwischenmenschliche Beziehung. Die kunsttherapeutische Arbeit im dritten Raum ermöglicht, mit Abgespaltenem in Kontakt zu kommen, Neues zu wagen und Selbstwirksamkeit zu erleben.
Es wurde versucht, die verschiedenen Qualitäten des Zugangs zu kreativen Ressourcen, Beziehungs- und Verhaltensweisen im dritten Raum in sechs herausgearbeitete "Gestaltungscharakteren" einzuteilen. Das Ziel ist, Orientierungshilfe für kunsttherapeutische Prozesse und konkrete Einblicke in der praktischen Umsetzung zu geben.
Die Perfektionisten
Die Gruppe der Perfektionisten kompensiert ihr niedriges Selbstwertgefühl mit hohem Leistungsanspruch. Die auf Perfektion ausgerichteten Vorstellungen kommen auf verschiedenen Ebenen zum Ausdruck.
Die Grenzenlosen/sich Verlierenden
In den Bildern der Grenzenlosen zeigen sich charakteristische Gestaltungs- und Ausdrucksweisen. Diese Menschen brauchen Präsenz und Kontrolle unterstützenden Rahmen, sowie Struktur und Orientierung gebende gestalterische Techniken.
Die Hyperaktiven
Die Angst vor Gefühlen und Leere erschweren den Hyperaktiven Vertiefung und Hingabe. Verschiedene gestalterische Interventionen ermöglichen den Betroffenen, Freude am künstlerischen Schaffen zu entwickeln.
Die Blockierten
Die Gruppe der Blockierten hat wenig Zugang zu Emotionen und Bedürfnissen. Die Balance zwischen Förderung der Selbstakzeptanz und dem Initiieren von Schritten ins Vermeidungsland sind hier zentral.
Die Autonomen
Die Überlebensstrategie der Autonomen ist Vermeidung von Abhängigkeit und Schwäche. Es zeigen sich Unverbindlichkeit, Misstrauen und ein starkes Unabhängigkeitsstreben.
Die Angepassten
Bei dieser Gruppe ist die Ausrichtung auf das Wohl der anderen auf Kosten des Selbstkontaktes, das Wahrnehmen eigener Grenzen und Willensimpulse. Spannungen im Raum können zu Auslösern für Schuldgefühle, Anspannung und Dissoziation führen.

Literatur
LiteraturPeter Sinapius, Annika Niemann: Das Dritte in Kunst und Therapie, Peter Lang Verlag, 2011
Luise Reddemann, Imagination als heilsame Kraft, Klett Verlag, sechste Auflage, 2002
Von Spreti, Martius, Förstl: Kunsttherapie bei psychischen Störungen, Urban und Fischer Verlag, zweite Auflage, 2012

Sa 14:15 - 15:45
15 max

16:00 - 16:45 Vorträge, Keynote Speaker

Stress und Belastungen bei Jugendlichen in der digitalen Welt

Daniel Süss

Jugendliche nutzen digitale Welten als erweiterte Handlungsräume, um Entwicklungsaufgaben zu bewältigen und ihren Alltag zu bereichern. Dabei gehen sie aber auch Risiken ein, welche zu Stress und Belastungen führen können. Soziale Netzwerke beispielsweise werden zur visuellen Biografiearbeit (Kramer, 2020) genutzt, d.h. neue Identitätsentwürfe werden erprobt. Sie führen aber auch zu selbstwertgefährdenden sozialen Vergleichen, unrealistischen Schönheitsidealen, Essstörungen und Verhaltenssucht. Influencer:innen prägen einseitige Genderrollenbilder, und Pornographie führt zu sexuellen Skripts, welche die Sozialisation der Jugendlichen ungünstig beeinflussen (Götz & Becker, 2019). Erotische Selbstinszenierungen in Selfies und TikTok-Videos können Ausgangspunkt für Cybermobbing und Sextortion werden. Gerade während der Corona-Pandemie hat die Nutzung digitaler Medien nochmals stark zugenommen und damit auch Erfahrungen von sexueller Belästigung online. Eine Erklärung dafür ist der Online Disinhibition Effect (Suler, 2004). Die Angst, etwas zu verpassen, wenn man nicht online ist, führt zu einem Druck zu permanenter Verfügbarkeit und zu Erschöpfung bei Jugendlichen. Schlafmangel wegen exzessiver Onlinezeiten kann vielfältige negative Folgen im Alltag der Jugendlichen nach sich ziehen. Sie entwickeln zwar selbst Strategien, um den Druck und dessen Folgen zu reduzieren, aber sie brauchen die Begleitung durch Peer Education und Erwachsene, um sich sicher in digitalen Welten zu bewegen und bei belastenden Erfahrungen rasch Hilfe zu erhalten. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, soziale Konstellationen und Situationen können belastende Medienerfahrungen und Gesundheitsrisiken begünstigen (Bernath et al., 2020). Präventive Ansätze verbinden Medienkompetenzförderung mit der Förderung von Charakterstärken und sozialen Kompetenzen.

Sa 16:00 - 16:45

16:45 - 17:00 Tagungsabschluss

Keine Workshops in dieser Sitzung.